„Alles Liebe und Gute, Gottes Segen und Kraft für das neue Lebensjahr, wünscht der Evgl. Kirchenchor Sevelen!“ Diesen Gruß, den ich als passives Mitglied des Chores noch in diesem Frühjahr verbunden mit einer schönen Postkarte anlässlich meines Geburtstages in unserem Briefkasten fand, werde ich so nicht mehr vom Chor erhalten. Ende Februar fiel in einer Chorprobe die Entscheidung, nicht mehr gemeinsam weiter zu singen. So ein Ende hat immer mehr als nur einen Grund. Ein entscheidender, wenn nicht der entscheidende, war in diesem Fall die Altersstruktur der Sängerinnen und Sänger. Die meisten von ihnen waren siebzig und älter, einst tragende Stimmen jetzt um die achtzig.
Kirchenchor_Sevelen_1980Der Evangelische Kirchenchor Sevelen wurde vor neununddreißig Jahren gegründet. Pastor Erwin Jungjohann gab den Anstoß, Herbert Hatzky wurde der erste Chorleiter. Damals, in den 70er Jahren waren viele junge, auch viele junge evangelische Familien nach Sevelen gezogen. Der Chor wurde für nicht wenige kirchenverbundene Menschen ein Stück Heimat und ist es für einige von ihnen bis zuletzt geblieben. Andere sangen nur kurz oder ein paar Jahre im Chor mit, nicht wenige aber über Jahrzehnte. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle Elisabeth und Friedhelm Lenz, die beide auf ihre Weise viel für den Zusammenhalt des Chores getan haben, Friedhelm – man war im Chor per Du –  etliche Jahre als Chorobmann, Elisabeth in verschiedenen anderen Funktionen, u.a. sehr aktiv bei der Vorbereitung und Gestaltung von Chorfeiern. Auch ich habe einige Jahre im Chor mitgesungen und das gerne.
Singen und die Pflege der Gemeinschaft gingen Hand in Hand.
Zu den zahlreichen Auftritten in Gottesdiensten in Sevelen und Rheurdt, zu Konzerten, auf Gemeindefesten und bei anderen Anlässen im Jahr, etwa zur Kranzniederlegung anlässlich der Sevelener Kirmes oder bei Altengeburtstagen, kamen gesellige Abende und Feiern im Jahreskreis hinzu.
Kirchenchor Sevelen im Jahr 2000Einer dieser festen Daten war und ist der Pfingstmontag. Der Chor sang immer im Gottesdienst am Pfingstmontag in Sevelen. Anschließend blieb man noch gerne, manchmal über Stunden hin gemütlich bei leckerem Essen und kalten und heißen Getränken zusammen. In diesem Jahr wird dazu am 9. Juni, am Pfingstmontag 2014 zum letzten Mal die Gelegenheit bestehen. Denn zu diesem Anlass wollen die Sängerinnen und Sänger des Chores, der in den letzten zehn Jahren von Christian Braumann geleitet wurde, noch einmal im Gottesdienst singen. Wir laden ganz herzlich zum Besuch dieses Gottesdienstes ein.
Auf dem oben von mir erwähnten Geburtstagsgruß fand sich noch ein Ausspruch eines berühmten Schriftstellers, der den Titel „Vielfalt“ trug. Er lautet: „Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht.“ Im Namen der ganzen Kirchengemeinde bedanke ich mich bei allen Sängerinnen und Sängern, die über die Jahre hin im Chor mitgesungen haben und den Chorleitern für ihren treuen Dienst, für die Freude beim Singen, für das Licht das durch den Chorgesang in die Gemeinde getragen wurde. Das Motto der Chorsängerinnen und –sänger selbst lautet: „Gott loben, das ist unser Amt.“
In unserer Kirchengemeinde mit ihren drei Gemeindeteilen Hoerstgen, Rheurdt und Sevelen gibt es eine ganze Reihe kirchenmusikalischer Aktivitäten, für die wir dankbar sind. Im Zweiten Pfarrbezirk allein, in Sevelen und Rheurdt engagieren sich zwei Instrumentalgruppen, „Drei & Musik“ und ein Gitarrenkreis. Aber den 1975 gegründeten Evangelischen Kirchenchor Sevelen gibt es nun nicht mehr. Und das ist sehr schade.

Pfarrer Jürgen Kunellis

Annette Lubenow (Foto: Wolfgang Lietzow)

WENN IN HOERSTGEN die Weidtmann-Orgel – unser so genanntes „Schätzchen“ – erklingt, wenn der Kirchenchor einen spannenden Abendgottesdienst gestaltet, wenn der Kinderchor zu Weihnachten herzerfrischend singt „Es ist ein langer, langer, langer Weg von Nazareth nach Bethlehem, Maria ist hoch schwanger, schwanger, schwanger, schwanger“, dann rezipieren wir das gerne, übersehen dabei aber auch oftmals, dass all diese schönen, manchmal witzigen und eben auch ergreifenden Momente eine Person gestaltet hat:
unsere Kirchenmusikerin Annette Lubenow.
Wem nützt die schönste Orgel, wenn sich nicht jemand mit ihr beschäftigt und sie entsprechend spielt? Und wer sorgt dafür, dass sich ein Kirchenchor regelmäßig und gerne zum Proben trifft und sich auf einen musikalischen Abendgottesdienst, einen Weihnachts-, Oster- oder Erntedankgottesdienst ernsthaft vorbereitet? Wer motiviert Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Mitspielen im Instrumentalkreis? – Unsere Kirchenmusikerin eben.
Annette Lubenow hat sich vor zehn Jahren darauf eingelassen, dass ihr als examinierter B-Kirchenmusikerin in Hoerstgen nur eine wesentlich kleinere Stelle zur Verfügung gestellt werden konnte, dass selbst der Kinderchor extern refinanziert werden muss, dass die Aussichten auf Besserung nicht gegeben sind, dass eben alles „schwierig“ bleibt. Aber sie ist immer noch mit Freude dabei, der Kirchengemeinde einen eigenen musikalischen Akzent zu geben.  – Weil sie es gerne macht und gerne in Hoerstgen lebt.

ANNETTE LUBENOW, Jahrgang 1962, studierte in Düsseldorf Kirchenmusik, arbeitete dann in Ratekau und Sonsbeck, bis sie am 1. Januar 2002 die Kirchenmusikerstelle in Hoerstgen übernahm. Wenn Sie Interesse am Mitwirken im Kirchenchor, Kinderchor oder im Instrumentalkeis haben, erreichen Sie sie per mail annette.lubenow@kirche-hoerstgen.de oder telefonisch: 02842-41239.

Dank Annette Lubenows Engagement mutierte die Hoerstgener Kirche nicht zu einem hübsch erhaltenen stillen Museum, sondern wird regelmäßig lautstark mit  Leben erfüllt.

Erinnern Sie sich also beim nächsten Gottesdienstbesuch daran, dass die Orgel nicht einfach „erklingt“, sondern zum Klingen gebracht wird. Und wenn Sie meinen, der Kirchenchor sei manchmal vielleicht etwas zu dünn besetzt, denken Sie übers Mitsingen nach, denn es macht richtig Spaß, gemeinsam unter professioneller Leitung zu musizieren.

Ulrike Anhamm