Die Kirchengemeinde Hoerstgen

Als sich die Reichsfreiherrlichkeit Hoerstgen im Jahre 1556/1557 der Reformation anschloss, entstand eine kleine evangelische Insel in katholischem Gebiet.

Das Asterix-Problem ist längst überwunden – wenn der Weg auch weit war bis zu der guten Gemeinschaft, die heute mit den katholischen Nachbargemeinden besteht. Nach Sevelen und Rheurdt kamen nach dem Zweiten Weltkrieg Evangelische in größerer Zahl. Heute verteilen sich nahezu 3000 Gemeindeglieder gleichmäßig auf alle drei Orte.

Jedes Dorf der Gemeinde (Hoerstgen, Sevelen, Rheurdt) besitzt ein Gemeindehighlight: Der Stolz von Hoerstgen ist die Thomas-Weidtmann-Orgel von 1731, das einzige im Originalzustand erhaltene Instrument dieser Werkstatt. Sie erklingt in der evangelischen Kirche von 1634 regelmäßig zum Gottesdienst und natürlich bei Konzerten. In Sevelen ist die Evangelische Öffentliche Bücherei im Gemeindehaus Treffpunkt und Veranstaltungsort, zum Beispiel für die regelmäßigen Frauenfrühstücke. Das „Hauptquartier“ der Kinder- und Jugendarbeit aller drei Gemeindeteile steht in Rheurdt hinter dem Gemeindehaus: Es ist der Jugendpavillon.Weil eine evangelische Kirche ohne Musik nur die halbe Kirche ist, sorgen neben der Orgel Kirchenchor und Posaunenchor für den guten Ton.

Seit dem zweijährigen Gastaufenthalt von Pfarrerin Virginia Pych bestehen Beziehungen zu Gemeinden der amerikanischen Partnerkirche United Church of Christ (UCC) in Wisconsin (USA).

 

Ostern von zu Hause

Screenshot EKD
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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bietet auf einer Extraseite zahlreiche Angebote, um das Osterfest 2020 zu Hause zu gestalten: https://www.ekd.de/ostern-von-zu-hause-54669.htm?fbclid=IwAR2ppa9F_2qjouixZECz9_3lOy5kHE6iXLT-2OLwwLkOvrfyugqsV5fD9_0

Ganz in der Nähe:

www.jugendhoerstgen.de
www.kirche-moers.de/hoerstgen

Hilfe & Beratung:

www.telefonseelsorge.de
www.diakonie.de

Evangelisches:

Kirche für Einsteiger und noch viel mehr: www.ekd.de

Kirche im Rheinland: www.ekir.de

Alles von Online-Community bis zum Chrismon-Magazin: www.evangelisch.de

Ideen, Erfahrungen, Wissen: www.geistreich.de

Portal zum Dialog Theologie und Naturwissenschaften  www.theologie-naturwissenschaften.de

Das Medienportal der evangelischen Kirche:  www.rundfunk.evangelisch.de

Kirche im Radio gestaltet vom NDR: www.radiokirche.de

Surf- und Literaturtipps zum Thema „Kirche und Film“: www.kirche-und-film.de

Film des Monats (empfohlen von der Jury der evangelischen Filmarbeit: www.filmdesmonats.de

Serviceportal der EKD zum Thema Spenden- und Sponsorengewinnung: www.fundraising-evangelisch.info

Zur Zukunft der Kirche: www.kirche-im-aufbruch.ekd.de

Wissenswertes zur Reformierten Kirche: www.reformiert.de

Der Reformierte Bund im Internet: www.reformiert-info.de
– Pastor Stefan Maser über den Heidelberger Katechismus auf reformiert-info.de

Mal was anderes: Das Neue Testament im Magazinformat: www.bibelalsmagazin.de

Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen: www.reformedchurches.org/

Kirchentage

Evangelischer Kirchentag: www.kirchentag.de

Oekumenischer Kirchentag: www.oekt.de

Musikalisches

Zum Jahr der Kirchenmusik 2012:  www.ekir.de/kirchenmusik

Sehr liebevoll gemacht: www.reformation-und-musik.de

Dieser Glaubenssatz ist weit verbreitet. Biblisch begründet ist er nicht. Unsere Einstellung als Kirche Jesu Christi teilt er schon gar nicht. Um die Frage der Weltherrschaft aufzunehmen könnte man im Sinne des christlichen Glaubens eher festhalten:

„Die Herren der Welt kommen und gehen. Unser Herr kommt!“

Ohne Geld geht es aber auch nicht. Denn es regelt den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Die beiden großen Kirchen in unserem Land hatten im vergangenen Jahr einen großen finanziellen Ausfall zu verarbeiten, der sich auf eine sehr hohe Zahl von Kirchenaustritten im Jahr 2014 zurückführen lässt.

Der Grund dafür war dieses Mal ganz eindeutig ein Brief, den alle Bankkunden von ihrem Institut erhielten und der sie mit der Frage konfrontierte, ob sie den Anteil der Kirchensteuer von der Abgeltungssteuer automatisch abführen lassen wollen. Viele Menschen mutmaßten hinter diesen Brief die Einführung einer neuen und zusätzlichen Art von Kirchensteuer.

Das stimmt nicht. Weder die Bemessungsgrundlage noch der Steuersatz ändern sich. Wer über dem Freibetrag lag, zahlte schon seit mehreren Jahren mit der Einkommenssteuer auch den Solidaritätszuschlag und einen Anteil Kirchensteuer.

Geändert hat sich nur das Einzugsverfahren. Das ist mit dem Angebot Ihrer Bank, das Sie gelesen haben, einfacher geworden. Natürlich haben viele Leute nicht gewusst, dass zur Steuer auf Zinserträge auch ein Anteil Solidaritätszuschlag und ein Anteil Kirchensteuer gehört.

Aber bitte: Wie viel Geld müssen Sie auf der Bank liegen oder in Aktien angelegt haben, damit der Anteil Kirchensteuer in irgendeiner Weise ins Gewicht fällt. Meine Frau und ich dürfen, zusammen veranlagt, 1600,- Euro Zinsen im Jahr bekommen, bevor der erste Euro Abgeltungssteuer fällig wird.

Überlegen Sie einmal, wieviel Geld wir beide da bei den heutigen Zinssätzen auf der Bank haben müssten, um nur einen Euro Kirchensteuer auf diese Weise zu bezahlen.

Mein Rat: Bleiben Sie Ihrer Kirche treu. Auch wenn Sie selbst im Moment wenig Leistungen der Kirche in Anspruch nehmen sollten, ihr Geld hilft anderen doch sehr.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat zu diesem Thema ein Faltblatt erstellt, das in unseren Gemeindehäusern und Kirchen ausliegt. Weitere Fragen werden beim Kirchensteuertelefon unter der Nummer 0800 0001034 beantwortet.

Hoerstgener Kanzel
Kanzel in HoerstgenAm Sonntag, den 17. August, 9.30 Uhr, laden wir ein zum festlichen Gottesdienst zum 300. Geburtstag der  Kanzel in der Evangelischen Kirche Hoerstgen.
Es predigt Pfarrer Burkhard Weber, Direktor des Johanneums in Wuppertal.
Anschließend bleiben wir noch beisammen zum Kennenlernen und zum Gespräch im Seitenbereich der Kirche.
Die Hoerstgener Kanzel trägt auf der Rückwand das Datum 11. Juli 1714. Mit der Thomas Weidtmann-Orgel (1731) und der Taufschale (1771) gehört sie zu den Ausstattungsstücken der Kirche, die zu Lebzeiten des letzten Freiherrn bzw. der letzten Freifrau von Milendonck auf Haus Frohnenbruch, Godhardt Kraft von Milendonck (1671-1749), und Christina Charlotta Elisabeth geborene von Wylich-Diersfordt  (1696-1771) in die Hoerstgener Kirche gekommen sind und heute noch unseren Gottesdienst prägen. Nur unsere beiden Abendmahlsbecher sind noch älter (1681).
Die „Evangelistenschule Johanneum“ ist eine Ausbildungsstätte für missionarische Jugend- und Gemeindearbeit in Wuppertal. Mit der Hoerstgener Gemeinde ist sie besonders verbunden, seitdem einmal ein früherer Hoerstgener Pfarrer, Johannes Hermann Haarbeck, von 1951 bis 1968 Direktor des Johanneums wurde. Die Besuchsfahrt bringt jedes Jahr im Herbst zwei Studierende nach Hoerstgen, zur Pflege der Verbindung, zum Erbitten von Spenden für ihre Ausbildungsstätte und zu Beiträgen in unseren Gottesdiensten und Gemeindekreisen.
Dreihundert Jahre Predigt des Evangeliums von ein und derselben Kanzel und der Leiter einer „Evangelistenschule“ von heute, das passt zusammen!

450 Jahre Lern- und Unterrichtsbuch reformierter Gemeinden und evangelische Bekenntnisschrift in vielen Ländern

Alle Christinnen und Christen haben das Recht zu lernen, selbst Bescheid zu wissen und alles, was ihnen gesagt wird, in der Bibel nachzuprüfen. Diese Überzeugung steht am Anfang der evangelischen Kirche.
Darum ist zusammen mit der Kirchenordnung für die evangelische Pfalz 1563 ein ganz besonderes Büchlein entstanden, der „Heidelberger Katechismus“.
In etwa 40 Sprachen übersetzt und hochgeschätzt wurde es in vielen Ländern Bekenntnisschrift und damit bis heute zum Bindeglied zwischen reformierten Gemeinden und Kirchen in der ganzen Welt.
Verfasst wurde der Heidelberger Katechismus von Zacharias Ursinus (er hatte seinen deutschen Namen „Bär“ nach damaliger Mode ins Lateinische übersetzt), damals 29 Jahre jung. Freilich hatte Ursinus bereits sorgfältig studiert, wie die Reformatoren, besonders Philipp Melanchthon und Johannes Calvin, den evangelischen Glauben erklärten.
Das kleine Buch hat es in sich. Drei Bestandteile finden sich auf jedem Blatt: Fragen, insgesamt 129, die teilweise auch heute, nach fast 450 Jahren, noch  brennend sind:

„Was ist wahrer Glaube?“ (Frage 21)
„Soll man auch die kleinen Kinder taufen?“ (Frage 74)
„Tut denn Gott dem Menschen nicht damit Unrecht,dass er in seinem Gesetz von ihm fordert, was er nicht tun kann?“ (Frage 9)

Hochkonzentrierte Antworten, kaum eine länger als fünf Sätze.
Und die Stellen aus der Bibel, die diese Antwort begründen, unentbehrlich für eine Kirche, die kein Lehramt über der Gemeinde (wie das des Papstes) kennt. Den besten Eindruck vom Ganzen gibt gleich die Frage 1 und der erste Satz der Antwort dazu:

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ –
„Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre!“

Der einzelne Mensch mit seiner Trostbedürftigkeit kann in einmaliger Weise ins Zentrum gerückt werden – weil Jesus Christus für ihn eingetreten ist und eintritt.

Der Hauptteil des Katechismus ist dann in drei Schritten aufgebaut:

1. Von des Menschen Elend
2. Von des Menschen Erlösung
3. Von der Dankbarkeit

Alles, was Christinnen und Christen in ihrer Gemeinde tun, wird als „Dankbarkeit“ erkannt und eingeordnet: der Gottesdienst im herkömmlichen Sinn des Wortes wie der Gottesdienst im Alltag sind nichts als Dankbarkeit. „Gebet“ (hier findet sich dann auch das „Unser Vater“, Frage 118-129) und „Gebot“(mit den 10 Geboten, Frage 92-115) gehören in diesen dritten Teil. Sie sind freie, dankbare Antwort auf Gottes Wort und Wohltat in Jesus Christus.
Gerade hier will der Heidelberger Katechismus beim (Bibel-) Wort genommen werden und zum freien, fröhlichen, getrösteten und mutigen Glauben und Leben helfen – und bestimmt zu nichts Anderem.

Kein Konfirmand und keine Konfirmandin muss heute noch reihenweise Katechismusblätter auswendig lernen. Trotzdem bleibt der „Heidelberger“ ein Schatz unserer Gemeinden.

Pfarrer Stefan Maser

Hoerstgener Abendmahlbecher

Hoerstgener Abendmahlbecher

(Foto: W. Lietzow)

Beim Abendmahl feiern wir die Gegenwart Jesu Christi in seiner Gemeinde.
Dabei stört es mich, wenn ich unsicher bin und vielleicht sogar Angst habe, etwas falsch zu machen. Schließlich wird das Abendmahl nicht überall gleich gefeiert.
Nach den Einsetzungsworten wird Brot im Kreis gereicht. Alle, die mitfeiern, sind so zum Leib Christi verbunden.
Das traditionelle Getränk beim evangelischen Abendmahl ist Wein aus einem Gemeinschaftskelch, einem Becher, der von einem zum anderen geht und aus dem alle trinken.
Wegen der Menschen, die keinen Alkohol trinken können oder wollen, gibt es bei uns schon lange Abendmahlsfeiern, bei denen unvergorener Traubensaft im Kelch ist. So machen wir es zum Beispiel bei Abendmahlsfeiern, zu denen wir die im KonfiKid-Unterricht vorbereiteten Kinder einladen, oder bei den Konfirmationen.
Für Menschen, die an diesem Tag nicht gerne mit anderen aus einem Becher trinken möchten, werden außerdem Einzel-Trinkgefäße bereitgehalten. Schließlich sollen sich ja nicht ausgerechnet beim Abendmahl Gemeindeglieder ausgeschlossen fühlen.
Damit alle an allen Orten ohne Unsicherheiten mitfeiern können, haben Gottesdienstausschuss und Presbyterium jetzt noch einmal besprochen, wie wir es in Hoerstgen, Sevelen und Rheurdt in Zukunft halten wollen:
Nach dem Brot bietet zuerst eine Presbyterin oder ein Presbyter von einem kleinen Tablett Einzelkelche an. Unser Abendmahlswein ist Weißwein. In Zukunft sind auch bei jeder Feier einige Kelche mit rotem Traubensaft dabei. Dann reicht der Pfarrer denen, die keinen Einzelkelch genommen haben, den Gemeinschaftskelch. Der passende Moment zum Trinken aus dem Einzelkelch ist, wenn der Pfarrer vorübergeht und ein Bibelwort oder das Spendewort sagt.
In Sevelen und Rheurdt gibt es schon seit Jahren einen schönen Brauch: beim Bibelwort zum Abschluss des Abendmahlskreises fassen sich alle an den Händen. Die Hoerstgener sind herzlich eingeladen, es in Zukunft genauso zu machen!

Das Brot, das wir brechen,
ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
Denn ein Brot ist’s, so sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brote teilhaben.
Paulus, 1. Korinther 10, 16f

Annette Lubenow (Foto: Wolfgang Lietzow)

WENN IN HOERSTGEN die Weidtmann-Orgel – unser so genanntes „Schätzchen“ – erklingt, wenn der Kirchenchor einen spannenden Abendgottesdienst gestaltet, wenn der Kinderchor zu Weihnachten herzerfrischend singt „Es ist ein langer, langer, langer Weg von Nazareth nach Bethlehem, Maria ist hoch schwanger, schwanger, schwanger, schwanger“, dann rezipieren wir das gerne, übersehen dabei aber auch oftmals, dass all diese schönen, manchmal witzigen und eben auch ergreifenden Momente eine Person gestaltet hat:
unsere Kirchenmusikerin Annette Lubenow.
Wem nützt die schönste Orgel, wenn sich nicht jemand mit ihr beschäftigt und sie entsprechend spielt? Und wer sorgt dafür, dass sich ein Kirchenchor regelmäßig und gerne zum Proben trifft und sich auf einen musikalischen Abendgottesdienst, einen Weihnachts-, Oster- oder Erntedankgottesdienst ernsthaft vorbereitet? Wer motiviert Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Mitspielen im Instrumentalkreis? – Unsere Kirchenmusikerin eben.
Annette Lubenow hat sich vor zehn Jahren darauf eingelassen, dass ihr als examinierter B-Kirchenmusikerin in Hoerstgen nur eine wesentlich kleinere Stelle zur Verfügung gestellt werden konnte, dass selbst der Kinderchor extern refinanziert werden muss, dass die Aussichten auf Besserung nicht gegeben sind, dass eben alles „schwierig“ bleibt. Aber sie ist immer noch mit Freude dabei, der Kirchengemeinde einen eigenen musikalischen Akzent zu geben.  – Weil sie es gerne macht und gerne in Hoerstgen lebt.

ANNETTE LUBENOW, Jahrgang 1962, studierte in Düsseldorf Kirchenmusik, arbeitete dann in Ratekau und Sonsbeck, bis sie am 1. Januar 2002 die Kirchenmusikerstelle in Hoerstgen übernahm. Wenn Sie Interesse am Mitwirken im Kirchenchor, Kinderchor oder im Instrumentalkeis haben, erreichen Sie sie per mail annette.lubenow@kirche-hoerstgen.de oder telefonisch: 02842-41239.

Dank Annette Lubenows Engagement mutierte die Hoerstgener Kirche nicht zu einem hübsch erhaltenen stillen Museum, sondern wird regelmäßig lautstark mit  Leben erfüllt.

Erinnern Sie sich also beim nächsten Gottesdienstbesuch daran, dass die Orgel nicht einfach „erklingt“, sondern zum Klingen gebracht wird. Und wenn Sie meinen, der Kirchenchor sei manchmal vielleicht etwas zu dünn besetzt, denken Sie übers Mitsingen nach, denn es macht richtig Spaß, gemeinsam unter professioneller Leitung zu musizieren.

Ulrike Anhamm

Eduard Hesse mit seinem Schwiegersohn Pfarrer Eggers im Oktober 2011 in der Sakristei der Hoerstgener Kirche (Foto: Wolfgang Lietzow)

Am 16. Dezember wurde in Hoerstgen in seinem 100. Lebensjahr Pfarrer in Ruhe Eduard Hesse beerdigt, an der Seite seiner lieben Frau, die wir knapp ein Jahr vorher hier zu Grabe getragen haben. Der Freund Albert Walter, früher Pfarrer in Lintfort und Meiderich, hat beiden die Grabpredigt gehalten.
Viele Hoerstgener, Rheurdter und Sevelener kennen Eduard Hesse noch als Pfarrer unserer Gemeinde in den Jahren 1952 bis 1978. Außer den Erinnerungen an einen leidenschaftlichen und gründlichen Prediger und Theologen und an das Leben im und um das Pfarrhaus mit Friederike Hesse, sechs Kindern und deren Freunden sind auch viele Geschichten und Aussprüche lebendig geblieben, die ihn als originellen, lebhaften, fröhlich – streitbaren Menschen zeigen, mit dem es immer etwas zu erleben gab. Eduard Hesse war anders als andere Pfarrer, und nach seiner Überzeugung sollte es  in Hoerstgen auch anders zugehen als in anderen Gemeinden.
Pfarrer Hesse war tief geprägt vom Weg seiner Familie in der Zeit des Nationalsozialismus. Zusammen mit seinem Vater Hermann Albert Hesse, Pfarrer in Wuppertal, und seinen Brüdern  gehörte er einem radikalen, entschiedeneren Flügel der sogenannten „Bekennenden Kirche“ an, der auch das Eintreten für  die verfolgten Juden direkt zum christlichen Bekenntnis zählte.  Diese konsequente Haltung brachte Eduard Hesse Haft und staatspolizeilich angeordnete „Himmelfahrtskommandos“ während seines Kriegsdienstes ein. Seinen Vater und seinen jüngsten Bruder Helmut schützte weder die offizielle Kirche noch die Bekennende Kirche.  Sie kamen ins Konzentrationslager Dachau, wo Helmut Hesse 1943 durch Entzug dringend benötigter Medikamente oder sogar durch eine zusätzliche Giftspritze ermordet wurde.
Diese Erfahrungen ließen Eduard Hesse nach dem Krieg kritischen Abstand zur Kirchenleitung halten, auch wenn sie vom Mehrheitsflügel der „Bekennenden Kirche“ mitbestimmt war – und genauso zu vielen Tendenzen in der Bundesrepublik Deutschland. Alles, was die Kirche angeht, sollte am Ort mit dem Presbyterium aus der Bibel entschieden worden. „Irgendwo muss es doch stehen“, pflegte er zu sagen, um bald darauf  seine Ergebnisse aus dem Zusammenhang von zwei oder drei Bibelstellen zu präsentieren. Sein Einsatz für die Betreuung und Begleitung von Kriegsdienstverweigerern  verstand sich dann fast von selbst.

Pfarrer Hesse mit den Hoerstgener Konfirmandinnen und Konfirmanden im Jahr 1957

In unserer Gemeinde begegnen wir der theologischen Arbeit von Eduard Hesse gleich im Eingang der Hoerstgener Kirche. Dort sind mit den Toten des Zweiten Weltkriegs auch die ermordeten jüdischen Nachbarn genannt. „Sie sind das Fundament, warum die Anderen überhaupt dastehen dürfen. Denn sie waren nur Opfer, die Anderen sind Täter und Opfer gewesen.“ Originalton Eduard Hesse.
Bei Taufe und Abendmahl sind in Hoerstgen von Pfarrer Hesse mit seinem Presbyterium aus der Bibel erarbeitete Formulare in Gebrauch, die noch immer aufhorchen und nachfragen lassen: „Das klingt ja, als ob wir Eltern und Paten auch getauft werden.“ – „Genau!“ müsste man dann im Sinne Eduard Hesses sagen, „denn die Taufe ist keine magische Handlung am Kind, sondern eine gehorsame Antwort der dankbaren Gemeinde!“
Der Kontakt des Ehepaars Hesse zu unserer Gemeinde ist auch nach der Pensionierung nie abgerissen. Viele Male sind sie gekommen, um Gemeinde und Freunde zu besuchen. Und vor allem der Hoerstgener Posaunenchor und der vor jetzt 40 Jahren von Friederike Hesse gegründete Mütterkreis haben sich aufgemacht in den Westerwald, wo das Pfarrehepaar in einem kleinen Haus mit wunderbarem, großem Garten den Ruhestand verbrachte. Wir haben immer wieder gemerkt, wie fröhlich und weitherzig diese Beiden trotz der schweren Erfahrungen in ihrer Lebensgeschichte und trotz des Ernstes ihrer Anliegen waren.
„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ Über dieses Wort aus Psalm 4 hat Pfarrer Eduard Hesse vor einigen Jahren seine letzte Hoerstgener Gastpredigt gehalten. Er hat der Gemeinde die Erinnerung nicht erspart, dass dies das Abendgebet seines Vaters und seines todgeweihten Bruders im Konzentrationslager gewesen sei. Aber es sei die Wahrheit, gegen allen Anschein und alle schlimmen Erfahrungen, weil Gott aus freier Gnade sein Wort und seine Treue hält.

Stefan Maser, Pfr.

Du führest mich vom Tod zum Lebenslicht,
 mein Aug ist froh, mein Fuß wird nicht mehr gleiten.
Du wirst im Land der Lebenden mich leiten,
ich wandle fort vor deinem Angesicht.
eg 629 – Psalm 116

(Nachruf des Presbyteriumsvorsitzenden der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen, Kirchenkreis Moers, auf Pfarrer i.R. Eduard Hesse, Breitscheid/ Westerwald, zuletzt in Bielefeld)

Pfarrer Eduard Hesse 1952

Es hat dem Herrn über Leben und Tod gefallen, am 10. Dezember 2011, aus der Zeit in die Ewigkeit abzurufen

Eduard Hesse
Pfarrer i.R.

(1.10.1912 – 10.12.2011)

Eduard Hesse war von 1952 bis 1977 Pfarrer in Hoerstgen.

Am Freitag, dem 16. Dezember laden wir ein zum Gottesdienst um 12.00 Uhr in der Kirche in Hoerstgen. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Hoerstgener Friedhof.

Statt Blumen bittet die Familie um Spenden für die „Alte Synagoge Wuppertal“
Sonderkonto Vemmer-Bestattungen, KtoNr. 12 571 912, BLZ 480 600 36 (Bielefelder Volksbank)
Kennwort Eduard Hesse

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei.
ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte,
weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. (Phil. 3,12)

Pfarrer i.R. Eduard Hesse 2011 bei seinem Besuch in Hoerstgen (Foto: Wolfgang Lietzow)

Friederike Hesse (links) hier mit Katharina Olyschläger im Mai 2007 beim Hoerstgener Jubiläum (Foto: W. Lietzow)

starb am 7.1.2011 im Alter von 92 Jah-ren und wurde am 13.01.2011 auf dem Dorffriedhof in Hoerstgen begraben.

Friederike Hesse war die Ehefrau unseres früheren Pastors Eduard Hesse. Sie hat sich in all den Jahren immer sehr für unsere Kirchengemeinde eingesetzt. 1972 gründete sie für  die jungen Frauen im Dorf den “Jungmütterkreis”, der später und bis heute unser Mütterkreis ist.
Ich bin seit 1974 in diesem Kreis. Die Abende mit Frau Hesse waren mit oder ohne Gäste immmer sehr lehrreich, interessant, lebhaft und hielten uns ungefähr zehn Frauen gut zusammen. Inzwischen ist unser Kreis größer geworden. Wir sind jetzt ungefähr 20 Frauen, und wir kommen noch genau so gern einmal im Monat zusammen wie früher.  Denn wir kennen uns inzwischen alle sehr gut und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Ingrid Anhamm

ine der ersten Einladungen zum Jungmüttterkreis vom 5. 9.1972. Vielen Dank an Elisabeth Anhamm, die einige Anschreiben archiviert hat.