Sarah, die Frau Abrahams, lacht. Einmal ungläubig, als sie hört, dass sie noch ein Kind bekommen soll. In ihrem Alter! Dann als das Kind da ist. „Und doch! Gott hat mir ein Lachen zugerichtet!“ (1. Mose 18 und 21). Einige unter uns sind 90 und älter.
Einige junge Frauen freuen sich auf ein Kind oder haben schon eins auf dem Arm. 90 und schwanger ist niemand.
Aber Lachen brauchen wir auch. Denn Lachen ist Freiheit. Wie Singen oder Musizieren. Reiten ohne Sattel, Motorradfahren (Entschuldigung, Greta!) oder Fliegen am Kettenkarussell. Wie der Glaube überhaupt. Weil der es mit Gott zu tun hat, der immer „noch manchen Trumpf in seinem Skatblatt hält“ (Gottfried Benn). Finden, zeigen und leben wir die Gründe zum Lachen, auch in unserer Gemeinde? Mit fröhlichen Menschen, die zu Gott gehören, befreiendem Glauben, bedeckten Sünden (Psalm 32, 1) und festem Vertrauen auf Gottes Gnade? Und lachen auch selbst wirklich herzlich mit? Das ist eine tägliche Aufgabe. Aber eine, die sich echt und ehrlich lohnt.
Das Gebet aus der Church of Scotland, formuliert offenbar aus der Sicht einer jüngeren Frau, ist schon ein Ding. Vor allem mit der Pointe am Schluss: 90 und schwanger! Ob es eine Chance hätte, in eine „Agende“ unserer Kirche zu kommen, eins von den großen Büchern, aus denen der Pastor im Gottesdienst liest? Ich werde es vorschlagen für die Neubearbeitung der „Reformierten Liturgie“, die gerade im Gange ist. Die Leitung der Neuausgabe hat übrigens eine kaum dreißigjährige Frau aus Halle. Dann hat das Sarah-Lachen ja vielleicht eine Chance.
Die wenigen Male, dass in der Kunst Jesus herzlich lachend dargestellt wurde, gab es erstmal einen Skandal. Warum eigentlich? „Ich halte Jesus für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Himmel und Erde waren sein, aber er ‚besaß es nicht mit Eigentum‘“. Hat eine Theologin gesagt, die auch einige kleine Skandale ausgelöst hat. Aber Paulus (oder die Gemeinde, von der er das Lied abgeschrieben hat) ja auch schon: „Er behielt es nicht als seine Räuberbeute!“ (Phil 2, 6) Und Johannes: „Er kam in sein Eigentum. … Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er.“ (Joh 1, 11+12) Soll er dabei nicht fröhlich gewesen sein und gelacht haben?
Wir brauchen Lachen. Wir haben die besten Gründe dazu.
Lachen Sie mit, auch in diesem noch immer ziemlich besonderen und nicht unbelasteten Frühjahr und Sommer 2021?
Mit den übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde grüßt
Ihr und euer

Pfarrer Stefan Maser

Ich habe genug
Von freudlosen Heiligen
und säuerlicher Religion.
Ich habe genug
von Sündenschnüffelei
und Zweifel an der Gnade
Ich brauche eine Portion Lachen, Herr,
die Sorte, die du Sarah eingepflanzt hast.
Aber, bitte, lass mich nicht warten,
bis ich neunzig und dann schwanger werde.

(Church of Scotland, Northumbria Community, Celtic Prayer Book Bd. 2)

„Geh hin und sieh, ob’s gut steht um deine Brüder und um das Vieh!“

(Losungswort für den 1. März 2021)

Das lag dem Vater der ganzen großen Familie natürlich am Herzen. Und der Sohn, knapp 18 Jahre alt, nimmt den Auftrag an und geht los. Es ist eine abenteuerliche Reise, schließlich noch über einen Gebirgszug mehr. Menschen und Herden waren weitergezogen. Aber der Auftrag ist zu schaffen. Da sind sie, alle wohlauf!
Dann bricht die menschliche Katastrophe los: Neid, Missgunst, Hass, Überheblichkeit, alte Vorwürfe, Lüge, das nagende Gefühl, selbst immer zu kurz zu kommen. Um ein Haar hätten die eigenen Brüder den jungen Mann ermordet. Der Einspruch des einzigen Besonnenen ist schwach, aber er verhindert das Schlimmste. Der Bruder wird in eine Erdhöhle gepackt. Das ist auch ganz klar lebensgefährlich. Und dann geben sie ihn Menschenhändlern mit. Es folgen zwölf rechtlose Jahre in einem fremden Land. Der Vater hält ihn für tot.


Alles ist sehr viel anders in diesem anderen Land. Fremde Gesetze, ein ganz anderes Bodenrecht. Ein anderes Wirtschaftssystem mit einer umfangreichen staatlichen Vorratswirtschaft. Der junge Fremde landet zwischendurch unschuldig im Gefängnis. Aber er hat große Begabungen und Fähigkeiten. Die fallen wieder auf, er setzt sie ein und steigt auf zum einflussreichen Regierungsberater. Er hilft entscheidend mit, dass das Land eine bedrohliche Krise besteht. Ob es auch so gut ausgegangen wäre, wenn sie ihn dort nicht gehabt hätten?
Einige Jahre darauf trifft die Krise sein Heimatland. Es ist nicht so gut vorbereitet. Die Familie schickt die stolzen, missgünstigen, verlogenen und rücksichtslosen Brüder los, um mit den letzten Rücklagen im Nachbarland Getreide einzukaufen.


Es gibt einige Verwicklungen. Die menschliche Katastrophe in der Familie wirkt bei allen Beteiligten nach. Aber der Bruder in der Fremde sorgt nun auch für seine eigene Familie. Er verschafft ihnen Hilfe und schließlich eine menschenwürdige, geschützte Stellung und Rechtssicherheit. All das, was er selbst so lange nicht hatte.
Jetzt steht es endlich wirklich gut um seine Brüder und das Vieh. Auch der alte Vater erlebt es noch mit. Gott sei Dank!
Schon erkannt?


Das ist, in kurzer Zusammenfassung, die Geschichte von Josef und seinen Brüdern aus dem Alten Testament. Nachzulesen im 1. Buch Mose Kapitel 37-50. Sie ist rund 3000 Jahre alt, aber sehr aktuell. Sie erzählt von gefährlichen Krisen. Von Begabungen und Möglichkeiten, sie zu bestehen und andere Menschen zu schützen und zu retten. Sie erzählt, wie das auch unter ganz fremden, ganz neuen Bedingungen gelungen ist. Ägypten war doch wirklich ein merkwürdiges Land! Sie ist voller Mut zum Neuen, zum vernünftigen Handeln, zur Wissenschaft. Sie ist überraschend aufgeklärt, aber nicht von ferne gottlos.
Denn sie zieht aus allem den Schluss: „Gott gedachte, es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.“ (1. Mose 50, 20)


Aber dabei kommt es darauf an, dass Neid, Missgunst, Hass, Überheblichkeit, Lügen, das nagende Gefühl, selbst immer zu kurz zu kommen, keinen Raum gewinnen. Die verderben nämlich regelmäßig alles.
Das Vorbild ist Josef. Obwohl der am Anfang auch ziemlich überheblich war und bestimmt kein Unschuldslamm.
Von ihm heißt es: „Komm, ich will dich zu ihnen senden.“
Er aber sprach: „Hier bin ich!“ (1. Mose 37, 13)
Später hat er dann seine Begabungen erkannt, Hilfe und Bewahrung erfahren. Ganz schön große Möglichkeiten hat er in seinen Händen. Und er sagt: „So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen.“ Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. (1. Mose 50, 21)

In einem noch immer sehr viel anderen Jahr mit einigem an Lasten, Sorgen und Herausforderungen unter uns – und vielen Chancen, füreinander da zu sein, grüßt mit den übrigen Mitarbeitenden der Gemeinde
Ihr und euer

Stefan Maser

2020 sollte für unsere Kirchengemeinde ein erstes gutes Jahr unter neuen Bedingungen werden: nur noch ein Pastor für die ganze Gemeinde, neue Absprachen mit den Nachbargemeinden. Ein Gottesdienstplan war gemacht: zwei Gottesdienste pro Sonn- und Feiertag, ein Abendmahlsgottesdienst pro Monat an jedem Ort, ein familienfreundlicher Gottesdienst unter Mitwirkung der Konfirmandinnen und Konfirmanden, in Rheurdt und Sevelen an einem festem Sonntag. In Hoerstgen wöchentlicher Gottesdienst, aber immer früh – ungewöhnlich für eine große Kirche. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten viele Ideen, auch für eine Reihe von Abendgottesdiensten, gestaltet von Jugendlichen, Frauen und Männern. Musik und Konzerte waren geplant, Konfifreizeit, Jugendfreizeit, Seniorenfreizeit und die Wiedereröffnung des „Kletterwäldchens“ in Rheurdt nach Sturm- und Borkenkäferschaden, ein Gemeindefest in Sevelen Ende August.
Jetzt zum Ende des Jahres wollten wir in einer Gemeindeversammlung unsere Erfahrungen besprechen und Anregungen für die Zukunft sammeln. Die Gemeindeversammlung musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Unsere Jahresberichte für die Gemeindeversammlung beginnen immer mit Personen, besonders den Mitarbeitenden. Zwei frühere Presbyter der Gemeinde mussten wir in diesem Jahr beerdigen. Beim Abschied von Hans Kohl aus Kengen dachten wir noch einmal an die Anfänge unserer Gemeinde in Sevelen und Rheurdt als Flüchtlings- und Vertriebenengemeinde und die Frauen und Männer, die sie mit aufbauten. Beim Abschied von Friedhelm Lenz aus Sevelen gedachten wir mit viel Dank an seinen jahrzehntelangen Einsatz für Gemeinde, Chor, Kinder und Jugendliche, Gemeindebote und Gemeindegeschichte.
Am 1. März konnten wir ein neues Presbyterium wählen, in der angestrebten Größe von insgesamt zehn Mitgliedern aus allen Orten. Es gab sogar noch mehr Bereitschaft zur Mitarbeit im Presbyterium. Das hat längst nicht jede Gemeinde im Kirchenkreis. Die neuen Presbyterinnen und Presbyter übernahmen Aufgaben, zum Beispiel in den Ausschüssen. Es wurde deutlich, was ihnen am Herzen liegt und was sie gemeinsam mit anderen aus der Gemeinde voranbringen wollen. So richtig konnte das alles noch nicht beginnen.
Das Ende des Jahres bringt uns nun den Abschied von Jugendleiter Hendrik Hülsmann. Er hatte seit April 2019 die vorgefundene Arbeit, die er ja aus Jahren im Ehrenamt kannte, mit Geschick und gutem Echo fortgesetzt, hatte vielversprechende Pläne für dieses Jahr und für eine neue Konzeption unserer Jugendarbeit. Unter den veränderten Bedingungen seit März hat er unverdrossen weitergearbeitet, den Kontakt zu den Jugendlichen gehalten und ihnen den wichtigen Austausch untereinander in unseren Jugendräumen ermöglicht. Wir freuen uns mit ihm über seine Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung auf einer Vollzeitstelle beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Kleve – und müssen nun eine gute Nachfolge finden.
Ab März war dann ja wirklich alles anders. Wegen der Pandemie mit einem neuen Krankheitserreger und der gesundheitspolitischen Maßnahmen fielen Freizeiten, Goldkonfirmation, Konfirmationen, Gruppen und Kreise, Singen, Musizieren und Konzerte und bis in den Juni sogar unsere Gottesdienste in den Kirchen aus.
Ich habe schwere Erkrankung und mehrere Todesfälle in der etwas weiteren Familie und unserem Freundeskreis erlebt und von vielen Toten unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Partnerkirchen und Partnerprojekte erfahren. Natürlich habe ich den Kontakt zu meinem früheren Arbeitsfeld, dem Krankenhaus, gehalten. Durch die eigenen Kinder und den Beruf meiner Frau waren mir die besonderen Herausforderungen für die Schulen, die Lehrerinnen und Lehrer nahe – und für die Kinder, die plötzlich kaum noch Kontakt zu Gleichaltrigen hatten.
Viele Menschen mussten und müssen Lasten, große Härten und Sorgen aushalten. Die sind nie gerecht verteilt, und keine davon lässt sich „wegreden“, vielleicht damit, dass es anderen ja noch schlechter geht.
Aber Ostern mit seiner Botschaft vom Leben, Gottesdienst, Gemeinde, Zusammenhalt und Füreinander-da-sein sind nicht ausgefallen. Die letzten „Gemeindeboten“ zeigen die Ideen, die Einsatzbereitschaft und die Treue unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die wir nur von Herzen dankbar sein können. Es lohnt sich, die Hefte noch einmal durchzublättern.
Und bald gab es ja auch wieder Gottesdienste in den Kirchen. Die Küsterinnen bekamen neue Aufgaben und viel Verantwortung. Es gab Musik, unter freiem Himmel und bis in die Altenheime und sogar gemeinsames Singen nach den Gottesdiensten. Was werden wir singen, wenn es wieder richtig „darf und geht“!
Als wir von Hunger und verzweifelten Familien in der Umgebung unseres früheren Partnerprojektes in Peru hörten, begannen wir mit einigen Bekannten dort, für die Kinder auf einem Hügel über dem Armenviertel zu sorgen. In der Gemeinde fanden wir bald Unterstützung. Auch dafür ganz herzlichen Dank!
Was für ein Jahr! So eins gab es wirklich noch nie. Mehr als einmal habe ich mir gesagt: Was wir jetzt alles anders machen müssen (oder gar nicht machen konnten), haben wir wenigstens getan, um ziemlich wahrscheinlich die Gesundheit anderer Menschen zu schützen oder ihnen nicht zu schaden. Das gab es so auch noch nie.
Was mag das neue Jahr bringen? Ob wir mehr von unseren Plänen ausführen können? Ins neue Jahr gehen wir mit dem Aufruf Jesu in der Jahreslosung: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6, 56) In der Bibel ist das nie nur ein Gesetz, so dass ich sagen könnte: „Was, jetzt soll ich auch noch barmherzig sein?“, sondern immer auch ein Stück Evangelium, angeboten wie eine schöne Frucht: „Wie wär’s? Du so richtig barmherzig, mit einem warmem, mitfühlenden Herzen? Das wär’s doch!“
Vielleicht ist es genau die Jahreslosung, die wir jetzt brauchen.

Als Jugendliche und junge Erwachsene war das die große Frage, die uns bewegte, die wir unseren Eltern und Großeltern stellten: Warum habt ihr damals nichts gesagt? Warum habt ihr euch nicht zur Wehr gesetzt?
Im sogenannten 3. Reich haben sie Jahre der Gewaltherrschaft erlebt. Krieg, Vernichtung und Vertreibung waren die Folge. Viele von ihnen haben den Versprechen der Nationalsozialisten geglaubt, waren auf ihre Propaganda und ihre Lügen hereingefallen. Die Mehrheit hatte vor dem Elend von Menschen die Augen verschlossen und dem Unrecht seinen Lauf gelassen. Sie hatten dem bösen Treiben nicht entgegen gesetzt. Sie haben geschwiegen wie Pfarrer Martin Niemöller (1892-1984), der Marineoffizier im Kaiserreich und spätere Widerstandskämpfer es in seinem Gedicht so ausdrückt:

Als die Nazis die Kommunisten holten,
da habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozis hinter Gitter brachten,
da habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschaftler festgenom-
men hatten,da habe ich nicht protestiert;
Ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als die Nazis kamen mich zu holen,
da protestierte niemand;
da war ja kein Mensch mehr da.

Zum Glück sind heute Menschen da. Menschen wie Du und ich. Menschen, die aufstehen und Gesicht zeigen. Die sich solidarisieren, wenn Lüge und Unwahrheit sich breitmachen und das Leben Einzelner in unserer Stadt, unserem Land vergiften. Die demonstrieren, wenn der Bürgermeister unseres Ortes beschimpft und bedroht wird. Menschen, die sich nicht verführen lassen vom rechten Gerede und von heimtückischen Anschlägen.
Die den Mut aufbringen und Gesicht zeigen. Ich bin dankbar für Jede und Jeden, die bzw. der die Würde eines jeden Menschen für unantastbar hält und sich dafür einsetzt!


Helga Klaus, Pastorin i.R.

Zum Abend „Christliche Nächstenliebe, Menschen auf der Flucht“ am 11.11.2019 in Hoerstgen: Alle Anwesenden waren sich bewusst, dass viele Menschen auch in den nächsten Jahren in Deutschland Asyl suchen werden. Über 70 Millionen sind auf der Flucht. In ihren Heimatländern herrscht Krieg und Elend. Und die Not ist groß.
Wir werden sie nicht aufhalten können, war eine Aussage des Referenten Bernd Kern: „Mit Zäunen ist das Problem nicht zu bewältigen!“ Aber, was können wir tun, um die Not dieser Menschen zu lindern und ihnen zu helfen? Teilnehmer haben formuliert, dass die organisierte evangelische Kirche durchaus mehr finanzielle Hilfe leisten sollte. Richtige Worte sind manchmal nicht genug. So war der Einwurf eines Teilnehmers. Und noch eindringlicher fragte Rudolf Pappenheim, der zweite Referent: „Was können Christen tun? – Wie zeigt sich Christliche Nächstenliebe?“
Die Antwort, das zeigte der Abend, ist schwierig, auch wenn die Bibel die wesentliche Orientierung für eine gelebte „Christliche Nächstenliebe“ ist und sein kann. Der Glaube an Gott und somit die Bibel hat auch die Präambel des deutschen Grundgesetzes mitbestimmt, in der es heißt:
„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“
Alle waren sich einig, dass dieser biblische und verfassungsmäßige Rahmen gilt. Und dennoch sprachen die Anwesenden auch über die Frage: „Wer ist unser Nächster?“ Sind es vor allen anderen die Christen in der Not?
Wer ist denn mein Nächster? Diese Frage wurde Jesus schon vor 2000 Jahren gestellt. An vielen Stellen in der Bibel ist die Antwort aufgeschrieben. Die treffendste Bibelstelle ist das Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“. Es zeigt auf, dass wir nicht fragen dürfen, wer bist du? Gehörst du zu meiner Gruppe? Nein, wir Christen müssen helfen, ohne diese Fragen zu stellen, wenn Hilfe notwendig ist. Deshalb müssen Christen die Politik ermutigen, nachhaltige Lösung zur Bekämpfung der Fluchtursachen zu finden.
Wir müssen Antworten finden, die in der heutigen Zeit für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger und für die politische Gemeinschaft angemessen sind. Das ist schwierig. Für Christen ist aber eine Pflicht, hinzuschauen und gemeinschaftlich Hilfsangeboten zu entwickeln.
Rudolf Pappenheim zitierte zum Abschluss den Kirchenlehrer Augustinus, der im vierten Jahrhundert gelebt hat. Der sagte zum Thema Nächstenliebe: „Liebe und dann tue was du willst!“ Augustinus hat diesen Satz formuliert, um eine Antwort zu geben, wie Christen die Mitmenschen lieben sollen. Dieser simpel erscheinende Satz birgt alles, was Jesus von uns Christen zum Thema Nächstenliebe erwartet, was er uns aufgetragen hat zu tun. Dieser Satz bedeutet: „Wenn du denkst, denke aus Liebe! Wenn du redest, rede aus Liebe! Wenn du schweigst, schweige aus Liebe! Wenn handelst, handle aus Liebe! Wenn du nicht handelst, tue dies aus Liebe.“

Aktion der rheinischen Kirche gestartet

ekir_fremdling.eu_042015Ein Mann hebt ein Kind über den Zaun der bundesdeutschen Botschaft in Prag im Herbst 1989. Kinder spielen in einem Flüchtlingslager in oberbergischen Wipperfürth, irgendwann zwischen 1946 und 1952. Mit Fahrrad, Pferd und Wagen ist ein Flüchtlingstreck aus dem Osten 1945 bei Walternienburg unterwegs. Diese Bilder erzählen von den Erfahrungen vieler Menschen in Deutschland: Sie sind selbst Flüchtlinge gewesen. Sie sind als Fremde aufgenommen worden. Diese Bilder sind Teil einer Anfang September 2015  gestarteten Aktion der Evangelischen Kirche im Rheinland. Im Mittelpunkt steht die Weisung Gottes: „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen“, nachzulesen in der Bibel im 2. Buch Mose, Kapitel 22, Vers 20.

„Die vielen ,Fremdlinge’, die auf der Suche nach Schutz, Zuflucht und Zukunft in diesen Zeiten nach Deutschland kommen, stellen uns vor große Herausforderungen. Aber für uns Christinnen und Christen führt kein Weg an der Weisung Gottes vorbei. Und auch für uns gilt der Hinweis, dass wir fremd waren – viele von denen, die heute in Deutschland leben waren bzw. sind selbst Fremdlinge, Schutzbürger und Hinzugekommene“, erklärt Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Die Plakate und Postkarten rufen das in Erinnerung: Rund zwölf Millionen Vertriebene aus dem Osten haben nach dem Zweiten Weltkrieg hier Zuflucht gefunden. Die alte Bundesrepublik hat mehr als 3,5 Millionen Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR sowie rund vier Millionen Aussiedler aufgenommen. Dazu die vielen DDR-Flüchtlinge im Jahr 1989.“ Viele Menschen, die in diesen Tagen und Wochen hierzulande den ankommenden Menschen helfen, tun dies, weil sie um diese Erfahrung wissen.

Neue Website lädt zum Mithelfen und zum Erzählen ein

Die Bilder und der Bibelvers – das sind Anknüpfungspunkte, um über das Fremdsein nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Als Plakate oder auf Postkarten werden sie in den rheinischen Gemeinden und Kirchenkreisen zwischen Niederrhein und Saarland präsent sein, Illustration des Themas in Gottesdiensten und Bibelkreisen sein. Außerdem sind sie mit der Möglichkeit zu persönlicher Hilfe verknüpft: So listet der zur Aktion gehörende Internetauftritt www.fremdling.eu Projekte auf, bei denen sich Interessierte vor Ort engagieren können. Zudem gibt es Tipps zum ehrenamtlichen Engagement. Auf der Webseite können Menschen aber auch ihre eigene Geschichte von Flucht und Fremdsein teilen. Den Anfang macht Präses Manfred Rekowski. Er, selbst Spätaussiedler aus Masuren, erzählt in einem Videobeitrag, wie der Anfang in der Fremde für ihn war.

Die Bilder und der Bibelvers – das sind Anknüpfungspunkte, um über das Fremdsein nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Als Plakate oder auf Postkarten werden sie in den rheinischen Gemeinden und Kirchenkreisen zwischen Niederrhein und Saarland präsent sein, Illustration des Themas in Gottesdiensten und Bibelkreisen sein. Außerdem sind sie mit der Möglichkeit zu persönlicher Hilfe verknüpft: So listet der zur Aktion gehörende Internetauftritt www.fremdling.eu Projekte auf, bei denen sich Interessierte vor Ort engagieren können. Zudem gibt es Tipps zum ehrenamtlichen Engagement. Auf der Webseite können Menschen aber auch ihre eigene Geschichte von Flucht und Fremdsein teilen. Den Anfang macht Präses Manfred Rekowski. Er, selbst Spätaussiedler aus Masuren, erzählt in einem Videobeitrag, wie der Anfang in der Fremde für ihn war.

(Pressetext der ekir.de, Website:  www.fremdling.eu )

Ein Themenpaket der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Thema Vertreibung, Flucht, Asyl steht zum Download bereit: http://www.ekir.de/www/downloads/Themenpaket_Fluechtlinge.pdf

Das werde ich häufiger gefragt, oder: „Da ist im Dorf der Herr Sowieso verstorben, der war ja evangelisch. Wann ist denn da die Messe?“ – Normalerweise beantworte ich solche Fragen einfach mit Angabe von Ort, Tag und Uhrzeit. Ich mache mir nicht die Mühe, zu erklären, dass wir im Bereich der Evangelischen Kirche den Begriff „Messe“ im Alltag des Gemeindelebens nur in Ausnahmen verwenden. Wir feiern  Gottesdienste, Sonntagsgottesdienste, Gottesdienste anlässlich einer Trauung, einer Jubiläumshochzeit – ein freudiger Anlass – Gottesdienste anlässlich einer Beerdigung – ein trauriger Anlass. Schulgottesdienste feiern wir auch oder Gottesdienste zur Einführung oder Verabschiedung von Mitarbeitenden. Ich habe jetzt noch nicht alle Anlässe genannt, zu denen man einen Gottesdienst feiern kann, aber die wesentlichen.

Ein geweihter katholischer Priester hat die Verpflichtung, neben all seinen anderen Aufgaben, jeden Tag eine Messe zu lesen, ob nun ein Gemeindeglied dabei anwesend ist oder nicht. Was keine Messfeier ist, trägt in der katholischen Kirchen den Namen „Wortgottesdienst“ oder ist einfach eine Andacht.
Es ist nicht verboten, die Verbindung von Wortgottesdienst und Abendmahlfeier im evangelischen Bereich als Messe zu bezeichnen. Normalerweise sprechen wir aber einfach von einem Gottesdienst mit Abendmahl. In Hoerstgen wird an jedem ersten Sonntag im Monat Abendmahl gefeiert, in Sevelen und Rheurdt in der Regel einmal alle acht Wochen. Wir kommen im reformierten Bereich aus einer Tradition, in der man fast schon ein wenig Angst vor der Mahlfeier hatte, vor allem hatte man die Angst davor, es „unwürdig“ zu empfangen. Ich bin in einer evangelischen Gemeinde im Rheinland aufgewachsen, in der nur viermal im Jahr Abendmahl gefeiert wurde. Die Feier fand auch erst im Anschluss an den normalen Gottesdienst statt. Man musste die Kirche verlassen und zum Abendmahl extra wieder hereinkommen. Die Abendmahlsfeier war eine Art zweiter Gottesdienst nach dem ersten.
In den letzten Jahrzehnten hat in allen evangelischen Kirchen die Zahl der Abendmahlsfeiern zugenommen. Jesus lädt Fromme und Sünder gemeinsam an seinen Tisch. Das Abendmahl stiftet Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, nach der wir uns sehnen. So sehen wir das verstärkt heute. Trotzdem bleibt eine Abendmahlsfeier für uns ein besonderes Ereignis.
So darf es auch bleiben.

Österliche Erinnerung an Ernst Lange (1927-1974)

Den Namen braucht man nicht zu kennen. Ernst Lange war Pfarrer, Professor, Autor, Leiter eines Arbeitsbereiches beim Ökumenischen Rat der Kirchen und einer Planungsgruppe der Evangelischen Kirche in Deutschland. Alles brillant, und doch fast alles nur kurz wegen lebenslanger quälender Versagensängste und langer Krankheitszeiten.
Aber dass eine Gemeinde sich auch sehr passend in einem ganz normalen Ladenlokal versammeln kann,  dass Predigt eigentlich ein Gespräch zwischen Text und Situation ist und deswegen auch im Dialog vorbereitet werden und bei einer Tasse Kaffee nachbesprochen werden soll,  dass das Ziel des Gottesdienstes am Sonntag der Gottesdienst während der Woche, die „Chancen des Alltags“, sind, dass die Kirche ohne die weltweite Ökumene, ohne die Anfragen und Herausforderungen aus anderen Teilen der Welt auf keinen Fall komplett ist, dass all dies am besten auf den Kirchentagen geklärt und besprochen wird:
all das wurde wie von keinem anderen als von Ernst Lange formuliert und erprobt.
Ernst Lange: „Man lässt sich durch die ‚Tropfen-auf-den-Stein‘ Resignation nicht aus dem Schritt bringen. Man resigniert nicht, man prosigniert. Man setzt die Zeichen der Hoffnung so weit vor, wie man es irgend verantworten kann. Freilich, Behagen hat die Kirche nicht zu verbreiten. Aber Mut hat sie zu entzünden. Sie hat Menschen davon zu überzeugen, am konkreten Fall zu überzeugen, dass sie ‚etwas machen können‘ und ‚machen sollen‘, weil im Wandel der Welt der Mehrwert der Verheißung für sie zu Buche schlägt, im Großen und im Kleinen.“ Für Ernst Lange ist der Friede, den Jesus Christus ausgerufen und vorgelebt hat, der einzige Daseinsgrund der Kirche. Und darum ist die ökumenische Bewegung der „Ernstfall des Glaubens“: Sie versucht, „die Frömmigkeit und das Gewissen auf die Zukunft zu orientieren. Menschen sollen über ihre Grenzen hinaussehen, hinausfühlen, hinausleben lernen.
Das Fremde soll nicht mehr fremd sein für sie, Veränderung soll gesegnet und nicht mehr gescheut oder gar verflucht werden. Gott soll aus der Vergangenheit auswandern und als der erkannt, angenommen werden, der immer schon im Kommenden angesiedelt ist.
Kirche soll nicht mehr vertraute Vergangenheit, sondern ersehnte Zukunft sein.“
1974, vor jetzt 40 Jahren, stirbt Ernst Lange in Windhaag, Österreich. Beschäftigt mit seinem Buch über die Kirche nimmt er sich im Ferienhaus seiner Schwester das Leben.
Seine Freunde sagen: Er war ein „Aufklärer des Todes“. Er ist einen verkehrten Tod gestorben! Der Widerspruch war schwer zu ertragen. Hatte der Tod gewonnen?
Kurz zuvor hat Ernst Lange geschrieben: „Von Gott reden heißt eben nicht: das Thema wechseln, als müsste, wenn dieser Name fällt, nun nicht mehr gestorben werden. Aber wenn von Gott in Verbindung mit dem Tod richtig geredet wird, dann erheben sich vielleicht die Häupter.“ „Der Tod ist kein Argument gegen das Leben, kein Argument gegen die Liebe, kein Argument gegen die Hoffnung auf die Vollendung der Welt. Ganz schlicht: kein Argument gegen Gott. Man stirbt nicht weg von Gott.
Man stirbt in Gott hinein.“

Pfarrer Stefan Maser