Sarah, die Frau Abrahams, lacht. Einmal ungläubig, als sie hört, dass sie noch ein Kind bekommen soll. In ihrem Alter! Dann als das Kind da ist. „Und doch! Gott hat mir ein Lachen zugerichtet!“ (1. Mose 18 und 21). Einige unter uns sind 90 und älter.
Einige junge Frauen freuen sich auf ein Kind oder haben schon eins auf dem Arm. 90 und schwanger ist niemand.
Aber Lachen brauchen wir auch. Denn Lachen ist Freiheit. Wie Singen oder Musizieren. Reiten ohne Sattel, Motorradfahren (Entschuldigung, Greta!) oder Fliegen am Kettenkarussell. Wie der Glaube überhaupt. Weil der es mit Gott zu tun hat, der immer „noch manchen Trumpf in seinem Skatblatt hält“ (Gottfried Benn). Finden, zeigen und leben wir die Gründe zum Lachen, auch in unserer Gemeinde? Mit fröhlichen Menschen, die zu Gott gehören, befreiendem Glauben, bedeckten Sünden (Psalm 32, 1) und festem Vertrauen auf Gottes Gnade? Und lachen auch selbst wirklich herzlich mit? Das ist eine tägliche Aufgabe. Aber eine, die sich echt und ehrlich lohnt.
Das Gebet aus der Church of Scotland, formuliert offenbar aus der Sicht einer jüngeren Frau, ist schon ein Ding. Vor allem mit der Pointe am Schluss: 90 und schwanger! Ob es eine Chance hätte, in eine „Agende“ unserer Kirche zu kommen, eins von den großen Büchern, aus denen der Pastor im Gottesdienst liest? Ich werde es vorschlagen für die Neubearbeitung der „Reformierten Liturgie“, die gerade im Gange ist. Die Leitung der Neuausgabe hat übrigens eine kaum dreißigjährige Frau aus Halle. Dann hat das Sarah-Lachen ja vielleicht eine Chance.
Die wenigen Male, dass in der Kunst Jesus herzlich lachend dargestellt wurde, gab es erstmal einen Skandal. Warum eigentlich? „Ich halte Jesus für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Himmel und Erde waren sein, aber er ‚besaß es nicht mit Eigentum‘“. Hat eine Theologin gesagt, die auch einige kleine Skandale ausgelöst hat. Aber Paulus (oder die Gemeinde, von der er das Lied abgeschrieben hat) ja auch schon: „Er behielt es nicht als seine Räuberbeute!“ (Phil 2, 6) Und Johannes: „Er kam in sein Eigentum. … Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er.“ (Joh 1, 11+12) Soll er dabei nicht fröhlich gewesen sein und gelacht haben?
Wir brauchen Lachen. Wir haben die besten Gründe dazu.
Lachen Sie mit, auch in diesem noch immer ziemlich besonderen und nicht unbelasteten Frühjahr und Sommer 2021?
Mit den übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde grüßt
Ihr und euer

Pfarrer Stefan Maser

Ich habe genug
Von freudlosen Heiligen
und säuerlicher Religion.
Ich habe genug
von Sündenschnüffelei
und Zweifel an der Gnade
Ich brauche eine Portion Lachen, Herr,
die Sorte, die du Sarah eingepflanzt hast.
Aber, bitte, lass mich nicht warten,
bis ich neunzig und dann schwanger werde.

(Church of Scotland, Northumbria Community, Celtic Prayer Book Bd. 2)

„Geh hin und sieh, ob’s gut steht um deine Brüder und um das Vieh!“

(Losungswort für den 1. März 2021)

Das lag dem Vater der ganzen großen Familie natürlich am Herzen. Und der Sohn, knapp 18 Jahre alt, nimmt den Auftrag an und geht los. Es ist eine abenteuerliche Reise, schließlich noch über einen Gebirgszug mehr. Menschen und Herden waren weitergezogen. Aber der Auftrag ist zu schaffen. Da sind sie, alle wohlauf!
Dann bricht die menschliche Katastrophe los: Neid, Missgunst, Hass, Überheblichkeit, alte Vorwürfe, Lüge, das nagende Gefühl, selbst immer zu kurz zu kommen. Um ein Haar hätten die eigenen Brüder den jungen Mann ermordet. Der Einspruch des einzigen Besonnenen ist schwach, aber er verhindert das Schlimmste. Der Bruder wird in eine Erdhöhle gepackt. Das ist auch ganz klar lebensgefährlich. Und dann geben sie ihn Menschenhändlern mit. Es folgen zwölf rechtlose Jahre in einem fremden Land. Der Vater hält ihn für tot.


Alles ist sehr viel anders in diesem anderen Land. Fremde Gesetze, ein ganz anderes Bodenrecht. Ein anderes Wirtschaftssystem mit einer umfangreichen staatlichen Vorratswirtschaft. Der junge Fremde landet zwischendurch unschuldig im Gefängnis. Aber er hat große Begabungen und Fähigkeiten. Die fallen wieder auf, er setzt sie ein und steigt auf zum einflussreichen Regierungsberater. Er hilft entscheidend mit, dass das Land eine bedrohliche Krise besteht. Ob es auch so gut ausgegangen wäre, wenn sie ihn dort nicht gehabt hätten?
Einige Jahre darauf trifft die Krise sein Heimatland. Es ist nicht so gut vorbereitet. Die Familie schickt die stolzen, missgünstigen, verlogenen und rücksichtslosen Brüder los, um mit den letzten Rücklagen im Nachbarland Getreide einzukaufen.


Es gibt einige Verwicklungen. Die menschliche Katastrophe in der Familie wirkt bei allen Beteiligten nach. Aber der Bruder in der Fremde sorgt nun auch für seine eigene Familie. Er verschafft ihnen Hilfe und schließlich eine menschenwürdige, geschützte Stellung und Rechtssicherheit. All das, was er selbst so lange nicht hatte.
Jetzt steht es endlich wirklich gut um seine Brüder und das Vieh. Auch der alte Vater erlebt es noch mit. Gott sei Dank!
Schon erkannt?


Das ist, in kurzer Zusammenfassung, die Geschichte von Josef und seinen Brüdern aus dem Alten Testament. Nachzulesen im 1. Buch Mose Kapitel 37-50. Sie ist rund 3000 Jahre alt, aber sehr aktuell. Sie erzählt von gefährlichen Krisen. Von Begabungen und Möglichkeiten, sie zu bestehen und andere Menschen zu schützen und zu retten. Sie erzählt, wie das auch unter ganz fremden, ganz neuen Bedingungen gelungen ist. Ägypten war doch wirklich ein merkwürdiges Land! Sie ist voller Mut zum Neuen, zum vernünftigen Handeln, zur Wissenschaft. Sie ist überraschend aufgeklärt, aber nicht von ferne gottlos.
Denn sie zieht aus allem den Schluss: „Gott gedachte, es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.“ (1. Mose 50, 20)


Aber dabei kommt es darauf an, dass Neid, Missgunst, Hass, Überheblichkeit, Lügen, das nagende Gefühl, selbst immer zu kurz zu kommen, keinen Raum gewinnen. Die verderben nämlich regelmäßig alles.
Das Vorbild ist Josef. Obwohl der am Anfang auch ziemlich überheblich war und bestimmt kein Unschuldslamm.
Von ihm heißt es: „Komm, ich will dich zu ihnen senden.“
Er aber sprach: „Hier bin ich!“ (1. Mose 37, 13)
Später hat er dann seine Begabungen erkannt, Hilfe und Bewahrung erfahren. Ganz schön große Möglichkeiten hat er in seinen Händen. Und er sagt: „So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen.“ Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. (1. Mose 50, 21)

In einem noch immer sehr viel anderen Jahr mit einigem an Lasten, Sorgen und Herausforderungen unter uns – und vielen Chancen, füreinander da zu sein, grüßt mit den übrigen Mitarbeitenden der Gemeinde
Ihr und euer

Stefan Maser

In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei.

Dicke rote Kerzen, Tannenzweigeduft und ein Hauch von Heimlichkeiten liegt jetzt in der Luft.

Das ist Vorweihnachtszeit.

Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln.“ (Jesaja 35, 1 – Monatsspruch für den Dezember)

Das ist Advent.

Vorweihnachtszeit kann schön sein, zum Beispiel mit Kindern. Advent ist wichtiger. Denn Advent bedeutet, dass es für diese Welt eine Hoffnung gibt. Dass sie eine Zukunft hat, auch dort, wo jetzt nur Wüste und Einöde ist. Weil einer auf diese Welt zukommt, sie ruft und auf Antwort wartet.
In den kargen Bergen des Nordirak fliehen Christen und ihre Nachbarn, viele von der Glaubensgemeinschaft der Jesiden, vor Mörderbanden. Sie erreichen den nächsten halbwegs sicheren Ort mit nichts als dem nackten Leben.
Das Mittelmeer, an dem wir gerne Ferien machen, wird zum Grab für Tausende. Als Flüchtlinge vor Gewalt und Not versuchen sie, mit überfüllten Booten Europa zu erreichen. Das Programm unserer Staaten, das das verhindern soll, heißt „Frontex“. Mich erinnert dieser Name an ein Ungeziefervertilgungsmittel.
Das sind menschliche Wüsten und Einöden von heute. Niemand von uns wird es schaffen, das zu beenden und eine neue Welt daraus zu machen. Aber was wir reden und tun, in unserer Umgebung, mit unseren Mitteln und Möglichkeiten, das soll doch wohl zu dem passen, was wir hören und glauben.
„Das Handeln der Christinnen und Christen ist zeichenhaftes Handeln“, haben wir im Gottesdienst zum Gemeindefest von Pfarrer Jürgen Kunellis gehört. Was sind die besten, deutlichsten, helfenden Zeichen?
Die Gottesdienste, Bibelgespräche und Gemeindekreise, zu denen wir auf den nächsten Seiten einladen, sind auch dazu da, um das herauszufinden.
Immerhin ist Advent. Gott kommt auf diese Welt zu. Sein Ziel ist, dass aus Jammer Befreiung und Jubel wird. – Mit den anderen Mitarbeitenden
der Gemeinde grüßt herzlich Ihr/euer

Pfarrer Stefan Maser

Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin.
Und ich will dir in Psalmen
ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen
in stetem Lob und Preis
Und deinem Namen dienen,
so gut es kann und weiß.

Paul Gerhardt – eg 11

Pfarrer Jürgen KunellisDie Ferienzeit ist vorüber. Ein neues Schuljahr beginnt. Der Alltag hat uns wieder. Groß und Klein ist erneut bei der Arbeit. Die Einen sind in der Schule, die anderen in Betrieben, Verwaltungsstuben und Geschäften tätig. Zumindest trifft das auf alle zu, die selbst schulpflichtig sind oder schulpflichtige Kinder haben. Jetzt braucht man neuen Mut für einen neuen Anfang nach hoffentlich erholsamen Wochen im Sommer. Da kommt unser Monatsspruch gerade zur rechten Zeit: Getrost und ohne Sorgenfalten auf der Stirn ans Werk gehen. Die Hürden, die sich vor einem aufbauen, wird man schon schaffen. Bange machen gilt nicht. Sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen und den eigenen Weg nicht verlassen.
Allerdings kann so eine Einstellung, auf alle Eventualitäten des Lebens angewandt, auch fahrlässig sein. Sollten wir uns nicht viel mehr erschrecken lassen? In unserer Kirchenzeitung „Chrismon“ habe ich jüngst ein Interview mit dem Wettermann und Buchautor Sven Plöger gelesen, der sich darin zum Klimawandel äußert. So erklärt er ziemlich schlüssig den langen eisigen Winter dieses Jahr auf dem nordamerikanischen Kontinent und die ständig milden Temperaturen zur gleichen Zeit in Mitteleuropa aus demselben Phänomen, nämlich dem Ansteigen der Temperaturen im Eismeer und dem fortschreitenden Schmelzen der Eisschichten an den Polkappen unserer Erde. In unserem Kirchenkreis Moers gibt es seit vielen Jahren im September die sogenannte „Schöpfungszeit“, die sich Fragen der christlichen Schöpfungsverantwortung stellt. Unter www.kirche-moers.de können Sie die Veranstaltungen dazu aufrufen, wenn Sie zugleich das Stichwort „Schöpfungszeit“ eingeben. Einen Termin nenne ich hier: Am Freitag, dem 19.09. kommt die bekannte Musikgruppe Grupo Sal in das Ev. Gemeindehaus Meerbeck, Bismarckstraße. Das Motto dann: „Stimmen – Klänge – Bilder – Regenwald – zwischen Bewahrung und Zerstörung“.
Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Pastor Jürgen Kunellis

Gelobet sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.
(Psalm 68, 20-21  – Bibellese am Sonntag, 1. Juni )

Psalmen, die Gebete und Lieder Israels, gehören auch zum christlichen Gottesdienst. Wer dem ökumenischen Bibelleseplan folgt, findet immer sonntags einen Psalm. Aus den Klöstern und anderen Gemeinschaften kommt der Brauch, Psalmen im Wechsel zu beten oder auf einen „Psalmton“ zu singen. Die reformierten evangelischen Gemeinden lieben gereimte Nachdichtungen der Psalmen als Gemeindelieder.
Der Reimpsalm 68 wird die „Hugenotten-Marseillaise“ genannt, die Hymne der französischen Protestanten. Er war ihr Trost- und Trotzlied in den häufigen Verfolgungszeiten. Es soll nicht verschwiegen werden, dass er dann auch gesungen wurde, wenn einmal Hugenottenscharen angriffen.
„Lasst uns zum Schluss noch einmal unser Lied singen“, sagt die eigentlich noch ziemlich junge Pfarrerin. Und die ganze Versammlung stimmt ohne weiteres Fragen an:
„Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm/ sei unserm Gott im Heiligtum,/ der Tag für Tag uns segnet;/ dem Gott, der Lasten auf uns legt,/ doch uns mit unsern Lasten trägt/ und uns mit Huld begegnet./ Sollt ihm, dem Herrn der Herrlichkeit,/ dem Gott vollkommner Seligkeit,/ nicht Ruhm und Ehr gebühren?/ Er kann, er will, er wird in Not/ vom Tode selbst und durch den Tod/ uns zu dem Leben führen.“ (eg 281, 3)
Der deutsche Text vom Weseler Matthias Jorissen ist mehr als 200 Jahre alt, die Melodie sogar fast 500. Aber es steckt einfach eine Menge Gutes drin:
Die Strophe ist reine Anbetung Gottes. Das ist kein Privileg der „Frommen und noch Frommeren“ und ihrer Lieder. Zum täglichen Segen gehört täglicher Dank.
Der eine, einzige Gott legt die Lasten des Lebens auf. Die Vorstellung, dass eine andere Macht das tut, wäre schrecklich und wird in der Bibel mehrfach bekämpft. Seine Hilfe ist, dass er nicht nur diese Last tragen hilft, die mir vielleicht so schwer vorkommt. Sondern dass er mich gleich mit trägt und erträgt, mit der Belastung, die ich oft für andere oder für mich selbst bin.
Stefan MaserUnd „er kann, er will, er wird“ ist einfach biblische Logik. „Er kann und er will“ sagen mir die Berichte von Gottes Hilfe in der Bibel. Und es wächst das Vertrauen, dass er auch mir helfen wird. Sogar durch den Tod, sagt dieser Psalm seit ältester Zeit
Ich hätte nichts dagegen, wenn „Reimpsalm 68“ auch unser Lied wird!

Ihr und Euer Pfarrer Stefan Maser

Nachthimmel in Hoerstgen, Foto: Ulrike AnhammIn eurer Heimat hat er euch fasziniert, zum Aufbruch und auf den Weg gebracht. Nun steht er über einer kleinen Stadt, wie es hunderte gibt. Habt ihr ihn noch im Blick? Er führt euch an einen merkwürdigen Ort. Nicht in die Hauptstadt und zum Königspalast. Sondern zu einem armen neugeborenen Fremdlingskind. Ihr seid enttäuscht, findet nicht, dass das die Reise lohnt? Aber hier sollt ihr das große Geheimnis für euer Leben und eure Wege erfahren: Der lebendige Gott, Schöpfer der Erde, der Sonnen und Sterne ist nicht himmelweit entfernt. Er ist euch nahe gekommen. So tief herunter ist er gekommen, dass niemand mehr zu denken braucht, dass er zu klein oder zu unbedeutend ist, als dass Gott sich für ihn interessieren könnte. Und er fängt schon an, euch zu verändern. Ihr habt etwas mitgebracht, nicht wahr? Es war für einen König bestimmt, wie euer König zu Hause einer ist, reich und mächtig. Einer, zu dem man gerne gute Beziehungen hat. Lasst eure Gaben hier, bei dem armen Kind und seinen Eltern, die sie gut gebrauchen können. Hier ist der wahre König. Hier wollte euch der Stern hinbringen.

Aus seinem Glanz und Lichte tritt er in deine Nacht:
Und alles wird zunichte, was dir so bange macht.
(Jochen Klepper 1938)
Ihr werdet nicht ewig hier bleiben. Ihr werdet wieder aufbrechen und wieder durch Wüsten ziehen, Strapazen und Mühen aushalten und in Gefahr sein. Aber etwas wird anders sein als vorher. Von jetzt an wisst ihr, dass Gott mit euch solidarisch ist, keinen göttlich-vornehmen Abstand hält, sondern euer Leben mit seinen Lasten und Ängsten und Gefahren zu seiner Sache macht. Das zeigt er in diesem Kind und seiner armen Geburt irgendwo am Rande. So bringt er euch auf neue Wege. Als erstes macht er euch dem ungehorsam, der auf Gewalt und Tod sinnt. Und wer weiß, vielleicht seht ihr dann und wann auf euren Reisen wieder einen Stern, freundlich leuchtend und begleitend – ein Zeichen von Gott.

Pfarrer Stefan Maser

(Die Geschichte von den Weisen aus dem Osten und dem Stern  steht in der Bibel im Matthäusevangelium, Kapitel 2.)

Stern über Bethlehem

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg, führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht, leuchte du uns voran, bis wir dort sind, Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.
Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn und lässt uns alle das Wunder hier sehn, das da geschehen, was niemand gedacht, Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.
Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel, denn dieser arme Stall birgt doch so viel. Du hast uns hergeführt, wir danken dir, Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!
Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück, steht noch dein heller Schein in unserm Blick, und was uns froh gemacht, teilen wir aus, Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus.

(eg 546)

Fürchte dich nicht! Rede und schweige nicht!
Denn ich bin mit dir,
und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden,
denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.

(Apostelgeschichte 18, 9+10 – Monatsspruch für den Juli)

Pfarrer Stefan Maser, Bild: Wolfgang Lietzow„Macht ihr eigentlich auch ’richtige’ Mission?“ Für einige ist Mission, die auf die Entscheidung einzelner Menschen zum lebendigen Glauben zielt, die Hauptaufgabe der Kirche, an der sie Christen und Gemeinden messen.
Für andere ist „Mission“ fast ein Unwort. Sie denken an dunkle Kapitel der Missionsgeschichte und sehen mit Bedenken, wenn auch heute „Bekehrte“ ihren „Missionaren“ dann irgendwie so schrecklich ähnlich werden. Sie wollen lieber jeden „nach seiner eigenen Fasson selig werden lassen“.
Jugendliche sind da eher unbelastet. Für sie bedeutet „Mission“ (oft auch englisch ausgesprochen) einfach den eigenen Auftrag. So kommt es ja auch in vielen Filmen und Geschichten vor.
Was gibt es zu lernen von der Ermutigung seines Herrn Jesus Christus für den Missionar Paulus? Erstens: Die großen Zusagen und Ermutigungen Gottes, alle aus der hebräischen Bibel, gelten auch für ihn. Darauf kann er sich verlassen. Das muss er wissen, nachdem er schon Misshandlungen und willkürliche Verhaftung erlebt hatte. Aber das Zweite, das mit dem großen Volk? Es bedeutet nicht, dass die Christen jetzt bald so mächtig sind und so sicher leben, dass Paulus gar nichts mehr passieren kann. Es bedeutet: Auch in dieser Stadt gibt es schon unzählige Menschen, die Jesus und seinem Vater am Herzen liegen. Sie sind Paulus’ „Mission“.
Mission ist, zu Menschen hinzugehen mit dem entlastenden Wissen, dass Gott auch zu ihnen unterwegs, Jesus eigentlich schon da ist. Dann kommt es darauf an, auf ihre Lebenslage zu achten, zu hören und wirklich wahrzunehmen, was bei ihnen los ist, zu sagen, was zu sagen ist und ändern zu helfen, was unerträglich ist. Eine Aufgabe für „Herz und Mund und Tat und Leben“ sozusagen. So nehmen wir teil an Gottes Mission, seinem Weg als Befreier zu seinen Menschen.
Weil Gottes Volk so groß ist, reicht es übrigens, wenn ein Christ oder eine Christin gerade für einen anderen Menschen oder eine Lebenslage im Einsatz ist – oder sich davon ausruht. Er oder sie kann und braucht nicht zur gleichen Zeit noch bei mehreren Anderen zu sein. Dafür gibt’s noch Andere.
Und das gilt für die „Hauptamtlichen“ genauso wie für die nicht-hauptberuflichen Christen.
Die alte Missionsgesellschaft im Rheinland arbeitet heute unter dem Namen „United in Mission“, auf deutsch etwa: „Gemeinsam an Gottes Aufgabe“. In ihr sind Kirchen und Gemeinden in vielen Teilen der Welt als Partner miteinander verbunden (denn es gibt in jedem Land der Welt christliche Kirchen und Gemeinden). Sie arbeiten gemeinsam an den Aufgaben, die die Kirchen am Ort in ihrer Umgebung erkennen. Und kein Missionar reist mehr von Deutschland los, um an den örtlichen Gemeinden vorbei „Christen zu schaffen nach unserem Bilde“.
Bleibt nur noch die Frage, bei welchem Menschen meine nächste Mission ist. Dass Jesus schon dort ist, wenn ich komme, steht aber fest.
Mit den übrigen Mitarbeitenden der Gemeinde grüßt herzlich
Ihr und Euer Stefan Maser, Pfarrer in Hoerstgen

Pfarrer Stefan Maser

(Foto: Wolfgang Lietzow)'

„Papa, was hast du eigentlich gemacht, als du noch klein warst?“ – fragt meine Sechsjährige. „Am liebsten Buden gebaut, mit meinen Freunden!“ – „Sind die noch da?“ – „Keine Ahnung, nein, vielleicht noch ein paar Bretter irgendwo im Wald!“
Sie zieht ab, und ich überlege, warum Budenbauen so schön ist. Es hat was von Heimat, gespielt und ersehnt. Heimat, der einfach richtig gute Platz, ist ja nach dem berühmten Wort des Philosophen Ernst Bloch, „was allen in die Kindheit scheint und wo doch noch niemand war“. Und deshalb bauen wir – Buden. Die erste, zweite und dritte Wohnung. Das was ich im Beruf versuche, mit meiner Arbeit aufbaue, für meine Familie. Lauter Heimaten auf Zeit, vorläufige, zweitbeste.
So steht es ja auch deutlich in der Bibel:
Die kommende Stadt ist Gottes himmlisches Jerusalem, der große Ruheplatz, wo das Budenbauen ein Ende hat. Diese Heimat können wir nicht bauen, und wir brauchen das auch nicht zu tun. Mit Wandern, möglichst immer noch ein bisschen schneller und in noch längeren Tagesetappen, wird sie auch nicht erreicht.
Sie kommt auf uns zu und wird erwartet. Aber diese Erwartung setzt in Bewegung.  „Eilendes Warten“ nannte das der Theologe Karl Barth. Denn die Hütten, die wir bis dahin bauen, sollen doch wenigstens zu der „Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offb. 21, 3) passen, auf die wir warten.
Wenn in Gottes Haus Platz für alle ist, soll ein Gemeindehaus Vielen Raum geben, auch denen, die sich bisher noch nicht drin zu Hause gefühlt haben. Dann sollen Gottesdienst und Theologie einladen und nicht normale Menschen von Minute fünf an als „Ahnungslose“ ausschließen – ohne deswegen ganz wie die Fernsehunterhaltung zu werden, von der  es ja auch schon mehr als genug gibt. Und unsere „Luxushütten“ sollen nicht ganz abgeschirmt sein gegen die, die noch in wirklich dürftigen Hütten wohnen. Ein Gemeindehaus, in dem man nichts Aktuelles aus einer Partnergemeinde in einem ärmeren Teil der Welt erfährt, ist doch eigentlich gar keins!
Meine Tochter wollte wissen, was ich gemacht habe, als ich klein war. Die Bibel fragt, was ich jetzt tue, wo ich groß bin. Die Antwort ist dieselbe: Buden und Hütten bauen! Bleibt nur die Frage, ob dabei denn auch die zukünftige, die bleibende im Blick ist. Mit „Warten“ und mit „Eilen“.
Eins ist allerdings dem Hebräerbrief für neue Jahre und neue Pläne noch wichtiger: Jesus Christus bleibt, der „Anfänger und Vollender unseres Glaubens“ (Hebr. 12, 2).
Mit den anderen Mitarbeitenden der Gemeinde
grüßt herzlich Ihr und Euer

Stefan Maser

Stefan Maser

Stefan Maser (Foto: Wolfgang Lietzow)

„TRAGT EINANDER DIE LASTEN“, schreibt Paulus an die Gemeinden in Galatien, einer Landschaft der heutigen Türkei.
Einem Anderen gerade mal helfen, wenn er schwer zu tragen hat? Einspringen und etwas übernehmen zur Entlastung, weil es für jemand anders sonst wirklich zu viel würde? Klar machen wir das, ist doch selbstverständlich. So funktioniert eben das Zusammenleben in einer Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde. Anders kann man sich das doch gar nicht vorstellen!
Aber ob das schon das ganze Gesetz Christi ist, alles, was Jesus gewollt hat? („Gesetz Christi“ ist eigentlich gar kein Lieblingsausdruck des Paulus, vielleicht verwendet er ihn hier, weil in Galatien gerade welche den Glauben mit anderen religiösen Gesetzen verbessern wollten.)
Einander, gegenseitig, einer den Anderen: das ist das Gebot der Nächstenliebe im Originalton Jesu (vgl. Mk 12, 31; Joh 13, 34). Das bedeutet dann auch: in der Gemeinde soll es keinen geben, der immer nur zusätzliche Lasten übernimmt und trägt – und auch niemanden, der sie immer nur abgenommen bekommt. Und vor allem: niemand soll sich etwas darauf einbilden, dass sie oder er ja schließlich nur Sachen für die Anderen macht. Eine Bühne für den eigenen Ruhm soll die Gemeinde am wenigsten sein. Nicht weil Bescheidenheit eine Zier ist. Sondern weil das eigene Rühmen, wie viel gerade ich doch leiste, und die Verzweiflung, dass mir gar nichts gelingt und dass ich wahrscheinlich gar nichts wert bin, so dicht beieinander wohnen: und keiness von beiden soll Recht behalten.
Und ob im Lastentragen nach dem Willen Jesu nicht vielleicht noch etwas mit drinsteckt? Nämlich, dass der Andere auch getragen (und ertragen) wird, wenn er oder sie mal selbst die Last, eine Belastung ist. Mit seinem oder ihrem Kummer, seinen oder ihren Fragen, dem, was er oder sie gerade einfach nicht kann? Und ich genauso, wenn ich mal die Last für die Anderen bin?
Und wenn das gelingt, dann geschieht vielleicht wirklich das, was Jesus gewollt hat.
Mit den anderen Mitarbeitenden der Gemeinde
grüßt herzlich Ihr und euer

Stefan Maser