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Am 8. Juni wird die Evangelische Bücherei in Sevelen wieder für Sie öffnen. Bis voraussichtlich nach den Sommerferien wird die Bücherei dienstags von 16:00 bis 17:00 wieder geöffnet sein.
Wir bitten, Regeln  zu beachten wie Mund-Nasenschutz, Mindestabstände, Handdesinfektion und nur zwei Besucher*innen gleichzeitig in der Bücherei.

Die Aktion „Unsere Masche – Büchertasche“ gibt es weiterhin!

(Foto: Jörg Heil)

Frühlingsacker

Nach verschiedenen deutschen Landschaften hat nun auch der Niederrhein seinen Dorfroman.

Christoph Peters, in Kalkar geboren, nennt seinen Roman schlicht „Dorfroman“, und doch handelt dieser Roman von vielem mehr als vom Dorf. Der namenlose Erzähler lebt als Einzelkind mit seinen Eltern in Hülkendonck bei Calcar und begegnet uns auf drei Erzählebenen, die in Kapiteln kunstvoll miteinander verbunden sind. Der Junge im Grundschulalter, klug aber schüchtern, interessiert sich für die Natur, sammelt Schmetterlinge und bekommt mehr mit, als die Eltern vermuten, was auch Ängste weckt. „Es kann nämlich sein, dass auch bei uns bald ein Krieg ausbricht, da die Russen unser Land erobern wollen, oder dass die Terroristen der Baader-Meinhof-Bande auf dem Weg in unsere Gegend sind, um uns zu ermorden.“ (S.11) Der Junge erfährt aber auch von den Konflikten, die der im Dorf geplante Bau des „Schnellen Brüters“ mit sich bringt; Diskussionen im Dorf zwischen Gegnern und Befürwortern der Atomkraft, die das Dorf und Familien zu spalten beginnen. Er ist, wie seine Eltern, überzeugt vom Nutzen der Atomkraft.
Später, als Jugendlicher, interessiert er sich für die auffallenden Atomkraftgegner, die in einer Art Kommune hausen und Aktionen planen. Juliane, eine junge Frau, sechs Jahre älter als er, hat es ihm besonders angetan, und er verliebt sich in sie. Die tragische Liebe, sein Wechsel ins Lager der Gegner verschärfen die Probleme in der Familie. Die Handlung kulminiert in der Großdemonstration Ende der 70er Jahre, die mit enormem Polizeieinsatz beendet wurde.
Die dritte Ebene zeigt den Erzähler als Erwachsenen, der seit dreißig Jahren in Berlin wohnt und seine alten Eltern besucht. Er räumt in seinem Jungenzimmer auf, betrachtet die Relikte seiner Jugend und Kindheit und reflektiert die Ereignisse der Vergangenheit.
Der Roman ist spannend erzählt, und der Wechsel der Ebenen vermittelt Eindrücke vom Dorfleben in den 70er Jahren und von den Konflikten um den Schnellen Brüter, der nicht zuletzt durch die Proteste der Atomkraftgegner nicht ans Netz ging.


Hiltrud Leenders, leider früh verstorben, ist uns in Erinnerung als Autorin des Trio Kriminale „Leenders-Bay-Leenders“. Sie hat jedoch 2018 mit „Pfaffs Hof“ auch einen Dorfroman geschrieben, in dem die kleine Annemarie aus der Sicht eines Kindes in den 60er Jahren vom Leben auf einem einsam gelegenen Bauernhof am Niederrhein erzählt. Sie schreibt in kindlichem Stil von ihren Erfahrungen als evangelisches Kind in einer katholischen Umgebung, von den Problemen in der Familie, aber auch von den Menschen, die sie mag. Ihre besondere Leidenschaft ist das Lesen, und wenn es ihr nicht gut geht, träumt sie sich nach Bullerbü. Das ist anrührend zu lesen. Wir erfahren viel über eine Zeit, an die wir Lesende unsere persönlichen Erinnerungen haben, in der auch die Nachwirkungen des Krieges eine Rolle spielen.


Anja Wedershoven hat mit „Im Schatten der Kopfweiden“ einen Niederrhein-Krimi geschrieben, der in Geldern handelt. Johanna Brenner hat sich nach schlechten Erfahrungen in Berlin in ihre alte Heimat versetzen lassen und arbeitet nun für die Kripo in Krefeld. Sie hat ihre Koffer noch nicht ausgepackt, da wird beim Friedhof in Geldern die Leiche einer jungen Kinderärztin gefunden, und Johanna hat ihren ersten Fall. Im Dienst bekommt sie es mit einer unangenehmen Chefin zu tun und ablehnenden Kollegen. Ihr Partner wirkt sympathisch, hat aber eigene Probleme und traut sich nicht, zu Johanna zu halten, obwohl er sie mag. Johanna macht es sich selbst nicht leicht; sie unternimmt Alleingänge, ignoriert eine beginnende starke Erkältung und bringt sich in Schwierigkeiten. Unter den Tatverdächtigen ist eine Familie mit einem behinderten Kind, das die Kinderärztin nach Meinung des Vaters nicht richtig behandelt hat. Dann sind da noch der Kinderarzt und seine Frau, der in Rente gehen will, und dessen Praxis die tote Ärztin übernehmen sollte. In der Folge entwickelt sich eine spannende Tätersuche mit überraschenden Wendungen und einem rasanten, spannenden Finale. Auch der sehr dunkle Prolog findet schließlich seine Auflösung. Lesevergnügen ohne unnötige Brutalität.