Das werde ich häufiger gefragt, oder: „Da ist im Dorf der Herr Sowieso verstorben, der war ja evangelisch. Wann ist denn da die Messe?“ – Normalerweise beantworte ich solche Fragen einfach mit Angabe von Ort, Tag und Uhrzeit. Ich mache mir nicht die Mühe, zu erklären, dass wir im Bereich der Evangelischen Kirche den Begriff „Messe“ im Alltag des Gemeindelebens nur in Ausnahmen verwenden. Wir feiern  Gottesdienste, Sonntagsgottesdienste, Gottesdienste anlässlich einer Trauung, einer Jubiläumshochzeit – ein freudiger Anlass – Gottesdienste anlässlich einer Beerdigung – ein trauriger Anlass. Schulgottesdienste feiern wir auch oder Gottesdienste zur Einführung oder Verabschiedung von Mitarbeitenden. Ich habe jetzt noch nicht alle Anlässe genannt, zu denen man einen Gottesdienst feiern kann, aber die wesentlichen.

Ein geweihter katholischer Priester hat die Verpflichtung, neben all seinen anderen Aufgaben, jeden Tag eine Messe zu lesen, ob nun ein Gemeindeglied dabei anwesend ist oder nicht. Was keine Messfeier ist, trägt in der katholischen Kirchen den Namen „Wortgottesdienst“ oder ist einfach eine Andacht.
Es ist nicht verboten, die Verbindung von Wortgottesdienst und Abendmahlfeier im evangelischen Bereich als Messe zu bezeichnen. Normalerweise sprechen wir aber einfach von einem Gottesdienst mit Abendmahl. In Hoerstgen wird an jedem ersten Sonntag im Monat Abendmahl gefeiert, in Sevelen und Rheurdt in der Regel einmal alle acht Wochen. Wir kommen im reformierten Bereich aus einer Tradition, in der man fast schon ein wenig Angst vor der Mahlfeier hatte, vor allem hatte man die Angst davor, es „unwürdig“ zu empfangen. Ich bin in einer evangelischen Gemeinde im Rheinland aufgewachsen, in der nur viermal im Jahr Abendmahl gefeiert wurde. Die Feier fand auch erst im Anschluss an den normalen Gottesdienst statt. Man musste die Kirche verlassen und zum Abendmahl extra wieder hereinkommen. Die Abendmahlsfeier war eine Art zweiter Gottesdienst nach dem ersten.
In den letzten Jahrzehnten hat in allen evangelischen Kirchen die Zahl der Abendmahlsfeiern zugenommen. Jesus lädt Fromme und Sünder gemeinsam an seinen Tisch. Das Abendmahl stiftet Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, nach der wir uns sehnen. So sehen wir das verstärkt heute. Trotzdem bleibt eine Abendmahlsfeier für uns ein besonderes Ereignis.
So darf es auch bleiben.