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„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit …“

Mit diesen Worten aus dem Evangelischen Gesangbuch lassen sich die vergangenen Monate in unserer Kirchengemeinde gut beschreiben. Zeiten des Aufbruchs und des Innehaltens, manchmal auch des Suchens gehörten dazu – und immer wieder die Frage: Wie bleibt das Schiff auf Kurs?
Meine eigenen Segelerfahrungen beschränken sich auf eine einwöchige Klassenfahrt auf einem Plattbodenschiff auf dem Ijsselmeer Anfang der 90er Jahre. Doch auch dort habe ich gelernt: Es gibt Situationen, in denen wirklich alle – Mann und Frau – an Deck sein müssen. Besonders bei Wendemanövern kommt es darauf an, dass jede und jeder ihre/seine Aufgabe kennt und wahrnimmt.
Ein Erlebnis ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Kurz vor einem Wendemanöver fiel ein Mitschüler aus – ausgerechnet er war für die Kurbel zuständig, mit der eines der Seitenschwerter hochgekurbelt werden musste. Ohne diese Position war das Manöver nicht möglich. Die Skipperin musste kurzfristig umdisponieren, Aufgaben neu verteilen und entstandene Lücken schließen. Ein kleines Durcheinander entstand, doch am Ende gelang das Wendemanöver.
An dieses Bild musste ich denken, als ich auf die vergangenen Monate nach der Verabschiedung von Pfarrer Maser in seinen Ruhestand zurückblickte.
Auch bei uns mussten Aufgaben neu bedacht, verteilt und teilweise neu erlernt werden. Parallel dazu begaben wir uns auf die Suche nach einer neuen Pfarrerin oder einem neuen Pfarrer. Die erste Runde der Ausschreibung verlief leider ergebnislos, sodass wir im Januar die Stelle erneut ausschreiben mussten.
Und doch haben wir inzwischen offenbar Übung darin gewonnen, das Schiff, das sich Gemeinde nennt, auf Kurs zu halten. Das zeigte sich eindrücklich in den Abkündigungen eines Gottesdienstes: Männerkreis, Bastelkreis, Seniorentreff, ein Gebetsabend in der FeG, eine Taizé-Andacht, ein Gottesdienst mit Abendmahl im St.-Antonius-Haus sowie ein gemeinsamer Gottesdienst mit der FeG Hoerstgen, musikalisch gestaltet vom Chor der FeG, unserem Posaunenchor und unserer Kirchenmusikerin.
Auch Pfarrer Hartmann aus Lintfort nahm dies anerkennend wahr: „Dafür, dass ihr gerade keinen eigenen Pfarrer habt, ist aber viel los bei euch!“
Dieses Empfinden teilten wir auch beim Quartalsmitarbeitertreffen. Besonders wertvoll erschienen uns der Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, das Weckmänneressen der Generationen, der Gemeindeausflug, das Erntedankfest, die Christmette sowie die gemeinsamen Gottesdienste in der Region, insbesondere mit der Kirchengemeinde Lintfort. Vieles davon möchten wir gern beibehalten und wiederholen.
Gleichzeitig entstanden neue Ideen und Visionen, nicht zuletzt auch der Wunsch nach einem Gemeindefest in diesem Jahr. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr wir uns wünschen, die „Mannschaft“ unseres Gemeindeschiffes wieder zu vervollständigen und zu erweitern. Vielleicht finden sich – neben einer neuen Pfarrerin oder einem neuen Pfarrer – auch Menschen, die Freude an Archivarbeit, Öffentlichkeitsarbeit oder an der Mitarbeit am Gemeindeboten haben.
Wir wissen nicht immer, welchen Weg unsere Reise nehmen wird oder wann unsere Pfarrstelle neu besetzt sein wird. Aber wir wissen, dass wir nicht allein unterwegs sind:


„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt:
Viel Freunde sind mit unterwegs, auf gleichen Kurs gestellt.
Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein.
So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein.“

(EG 604,5)

Sondierungstrefen in KampLintfort

Veränderung gehört zum Leben – und sie ist nichts Neues für uns. Auch unsere Kirche hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Umbau und Neugestaltung der Gemeinde gab es schon früher. Und immer wieder haben wir gemeinsam neue Wege gefunden.
Heute, nach über 100 Jahren, führen uns die Wege erneut näher zusammen. So wie es damals war, als im Jahr 1917 die Evangelische Kirchengemeinde Lintfort gegründet wurde. Die evangelischen Christen aus Lintfort, Kamperbruch und Rossenray wurden damals aus den Kirchengemeinden Repelen und Hoerstgen ausgepfarrt und zu einer neuen Gemeinde vereint. Zunächst war diese neue Gemeinde pfarramtlich mit Hoerstgen verbunden – also so, wie wir es auch bald wieder erleben werden.
Die geschichtlichen Informationen dazu findet ihr übrigens in dem Buch Christus Lux Nostra 1557–2007. 450 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen von Ulrike Anhamm, Friedhelm Lenz und Wolfgang Lietzow.
Schon 1923 wurde diese Verbindung damals aufgehoben, weil in Lintfort eine eigene Pfarrstelle eingerichtet wurde. Heute, ein Jahrhundert später, stehen wir erneut vor einem Wendepunkt. Wenn Pfarrer Stefan Maser in den Ruhestand geht, bleiben sowohl die Evangelische Kirchengemeinde Lintfort als auch die Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen als eigenständige Gemeinden bestehen. Doch diesmal wird die Pfarrstelle in Lintfort angesiedelt sein – und deshalb wird wieder eine pfarramtliche Verbindung notwendig.
Was bedeutet das konkret? Eine Pfarrerin oder ein Pfarrer wird seelsorgliche Aufgaben in beiden Kirchengemeinden übernehmen. Diese Person ist fest eingebunden, wirkt in beiden Presbyterien mit und begleitet beide Gemeinden. Entscheidungen, die uns alle betreffen, werden künftig gemeinsam getroffen.
Die Pfarrstelle wird in Lintfort verankert sein – vor 100 Jahren war es genau umgekehrt, da befand sich der Sitz in Hoerstgen.
Diese Verbindung soll voraussichtlich im November 2025 beginnen. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Klar ist: Es wird Veränderungen geben. Das bleibt nicht aus, wenn künftig weniger Pfarrerinnen und Pfarrer für Aufgaben zuständig sind, die bisher von mehreren Personen getragen wurden. Unser Ziel ist es, niemanden zu überlasten – und dennoch beide Gemeinden gut zu begleiten.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen weiterhin die Gottesdienste, die besonderen Anlässe wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen, die Konfirmandenarbeit und die persönliche seelsorgliche Begleitung. Ebenso wichtig ist die Arbeit, die oft im Hintergrund passiert – dazu gehören Verwaltung, Gremienarbeit, Planung und Vorbereitung. All das braucht Zeit, Kraft und gute Zusammenarbeit.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir als Gemeinde zusammenrücken. In Hoerstgen sind wir bereits auf einem guten Weg. Wir achten aufeinander und versuchen, niemanden aus dem Blick zu verlieren. Ein gemeinsamer Gemeindekalender hilft uns dabei, besser vernetzt zu sein. Auf der letzten Mitarbeiterversammlung wurde dieser Kalender vorgestellt.
Auch die Liste unserer Mitarbeitenden wurde neu erstellt. Über 70 Menschen engagieren sich in unserer Gemeinde – vom Gemeindebotenverteiler bis zur Gruppenleitung, von praktischen Hilfen bis zu Andachtsangeboten. Jeder einzelne Beitrag zählt und trägt dazu bei, dass unsere Gemeinschaft lebendig bleibt.
Natürlich kann es passieren, dass jemand unbemerkt in den Hintergrund rückt. Deshalb sind wir auf eure Hinweise angewiesen: Wenn euch auffällt, dass jemand Unterstützung braucht, gebt uns bitte Bescheid.
Auch die Steuerungsgruppe, die wir im letzten Gemeindeboten bereits vorgestellt haben, arbeitet aktiv weiter. Momentan treffen wir uns in einer kleineren Runde, um die konkreten Vereinbarungen für die Zukunft zu besprechen. Man könnte sagen, es sind Sondierungsgespräche – wie in der Politik. Aber bei uns läuft alles harmonisch, auf Augenhöhe, mit viel Pragmatismus, Herz und Verstand.
Wir sind überzeugt: Wir werden etwas Gutes daraus machen. Gemeinsam. Mit Mut und Vertrauen. Wir stehen zusammen. Und wir schaffen das. – Ja, mit Gottes Hilfe!

Diakon Holger Koopmann

Und weiter geht’s – gemeinsam!


Die Presbyterien der Kirchengemeinden Hoerstgen und Lintfort laden ein zu einer gemeinsamen Gemeindeversammlung am 15. Juni 2025 im Anschluss an den gemeinsamen Gottesdienst um 10.00 Uhr in der Christuskirche Lintfort, Friedrich – Heinrich-Allee 22

  1. Begrüßung
  2. Aktuelle Situation der Gemeinden Hoerstgen und Lintfort – Kurzberichte der Presbyteriumsvorsitzenden
  3. Bericht aus der Steuerungsgruppe zum Annäherungsprozess
  4. Erste Konkretionen in der Annäherung:
    Zusammenarbeit im Konfirmandenunterricht
    Zusammenlegung der Ausschüsse für Theologie und Kirchenmusik
  5. Vereinbarungsgespräche – Bericht aus der Arbeitsgruppe
  6. Gebäudebedarfsplanung im Kirchenkreis, in der Region 6 und unseren beiden Gemeinden
  7. Fragen und Anregungen aus der Gemeinde – Moderation Michael Hammes
    Danach gemeinsames Mittagessen.