450 Jahre Lern- und Unterrichtsbuch reformierter Gemeinden und evangelische Bekenntnisschrift in vielen Ländern

Alle Christinnen und Christen haben das Recht zu lernen, selbst Bescheid zu wissen und alles, was ihnen gesagt wird, in der Bibel nachzuprüfen. Diese Überzeugung steht am Anfang der evangelischen Kirche.
Darum ist zusammen mit der Kirchenordnung für die evangelische Pfalz 1563 ein ganz besonderes Büchlein entstanden, der „Heidelberger Katechismus“.
In etwa 40 Sprachen übersetzt und hochgeschätzt wurde es in vielen Ländern Bekenntnisschrift und damit bis heute zum Bindeglied zwischen reformierten Gemeinden und Kirchen in der ganzen Welt.
Verfasst wurde der Heidelberger Katechismus von Zacharias Ursinus (er hatte seinen deutschen Namen „Bär“ nach damaliger Mode ins Lateinische übersetzt), damals 29 Jahre jung. Freilich hatte Ursinus bereits sorgfältig studiert, wie die Reformatoren, besonders Philipp Melanchthon und Johannes Calvin, den evangelischen Glauben erklärten.
Das kleine Buch hat es in sich. Drei Bestandteile finden sich auf jedem Blatt: Fragen, insgesamt 129, die teilweise auch heute, nach fast 450 Jahren, noch  brennend sind:

„Was ist wahrer Glaube?“ (Frage 21)
„Soll man auch die kleinen Kinder taufen?“ (Frage 74)
„Tut denn Gott dem Menschen nicht damit Unrecht,dass er in seinem Gesetz von ihm fordert, was er nicht tun kann?“ (Frage 9)

Hochkonzentrierte Antworten, kaum eine länger als fünf Sätze.
Und die Stellen aus der Bibel, die diese Antwort begründen, unentbehrlich für eine Kirche, die kein Lehramt über der Gemeinde (wie das des Papstes) kennt. Den besten Eindruck vom Ganzen gibt gleich die Frage 1 und der erste Satz der Antwort dazu:

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ –
„Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre!“

Der einzelne Mensch mit seiner Trostbedürftigkeit kann in einmaliger Weise ins Zentrum gerückt werden – weil Jesus Christus für ihn eingetreten ist und eintritt.

Der Hauptteil des Katechismus ist dann in drei Schritten aufgebaut:

1. Von des Menschen Elend
2. Von des Menschen Erlösung
3. Von der Dankbarkeit

Alles, was Christinnen und Christen in ihrer Gemeinde tun, wird als „Dankbarkeit“ erkannt und eingeordnet: der Gottesdienst im herkömmlichen Sinn des Wortes wie der Gottesdienst im Alltag sind nichts als Dankbarkeit. „Gebet“ (hier findet sich dann auch das „Unser Vater“, Frage 118-129) und „Gebot“(mit den 10 Geboten, Frage 92-115) gehören in diesen dritten Teil. Sie sind freie, dankbare Antwort auf Gottes Wort und Wohltat in Jesus Christus.
Gerade hier will der Heidelberger Katechismus beim (Bibel-) Wort genommen werden und zum freien, fröhlichen, getrösteten und mutigen Glauben und Leben helfen – und bestimmt zu nichts Anderem.

Kein Konfirmand und keine Konfirmandin muss heute noch reihenweise Katechismusblätter auswendig lernen. Trotzdem bleibt der „Heidelberger“ ein Schatz unserer Gemeinden.

Pfarrer Stefan Maser

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