Pfarrer Stefan Maser

(Foto: Wolfgang Lietzow)'

„Papa, was hast du eigentlich gemacht, als du noch klein warst?“ – fragt meine Sechsjährige. „Am liebsten Buden gebaut, mit meinen Freunden!“ – „Sind die noch da?“ – „Keine Ahnung, nein, vielleicht noch ein paar Bretter irgendwo im Wald!“
Sie zieht ab, und ich überlege, warum Budenbauen so schön ist. Es hat was von Heimat, gespielt und ersehnt. Heimat, der einfach richtig gute Platz, ist ja nach dem berühmten Wort des Philosophen Ernst Bloch, „was allen in die Kindheit scheint und wo doch noch niemand war“. Und deshalb bauen wir – Buden. Die erste, zweite und dritte Wohnung. Das was ich im Beruf versuche, mit meiner Arbeit aufbaue, für meine Familie. Lauter Heimaten auf Zeit, vorläufige, zweitbeste.
So steht es ja auch deutlich in der Bibel:
Die kommende Stadt ist Gottes himmlisches Jerusalem, der große Ruheplatz, wo das Budenbauen ein Ende hat. Diese Heimat können wir nicht bauen, und wir brauchen das auch nicht zu tun. Mit Wandern, möglichst immer noch ein bisschen schneller und in noch längeren Tagesetappen, wird sie auch nicht erreicht.
Sie kommt auf uns zu und wird erwartet. Aber diese Erwartung setzt in Bewegung.  „Eilendes Warten“ nannte das der Theologe Karl Barth. Denn die Hütten, die wir bis dahin bauen, sollen doch wenigstens zu der „Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offb. 21, 3) passen, auf die wir warten.
Wenn in Gottes Haus Platz für alle ist, soll ein Gemeindehaus Vielen Raum geben, auch denen, die sich bisher noch nicht drin zu Hause gefühlt haben. Dann sollen Gottesdienst und Theologie einladen und nicht normale Menschen von Minute fünf an als „Ahnungslose“ ausschließen – ohne deswegen ganz wie die Fernsehunterhaltung zu werden, von der  es ja auch schon mehr als genug gibt. Und unsere „Luxushütten“ sollen nicht ganz abgeschirmt sein gegen die, die noch in wirklich dürftigen Hütten wohnen. Ein Gemeindehaus, in dem man nichts Aktuelles aus einer Partnergemeinde in einem ärmeren Teil der Welt erfährt, ist doch eigentlich gar keins!
Meine Tochter wollte wissen, was ich gemacht habe, als ich klein war. Die Bibel fragt, was ich jetzt tue, wo ich groß bin. Die Antwort ist dieselbe: Buden und Hütten bauen! Bleibt nur die Frage, ob dabei denn auch die zukünftige, die bleibende im Blick ist. Mit „Warten“ und mit „Eilen“.
Eins ist allerdings dem Hebräerbrief für neue Jahre und neue Pläne noch wichtiger: Jesus Christus bleibt, der „Anfänger und Vollender unseres Glaubens“ (Hebr. 12, 2).
Mit den anderen Mitarbeitenden der Gemeinde
grüßt herzlich Ihr und Euer

Stefan Maser

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