Konfirmationsgottesdienste sollten am vergangenen und an diesem Sonntag sein. Natürlich hätten wir mit den jungen Leute und ihren Familien vom „Guten Hirten“ gehört. Und ich hätte sogar ein eigenes groß gewordenes Kind als „Schäfchen“ dabeigehabt.

Stattdessen ist es in unseren Kirchen wieder still geblieben. Das ist bitter.

Ich freue mich auf die Zeit, wenn wir wieder zusammenkommen. Zum Hören, Sprechen, Beten, uns Sehen – und Singen! Auch wenn das noch dauern wird.

Inzwischen sende ich hier noch einmal einige Worte und ein Gebet – mit den allerbesten Wünschen für allerbesten Mut!

Einen wandernden Schäfer mit seiner Herde sieht man in Deutschland nicht mehr oft. Darum hat mich der Bericht einer Schäferin umso mehr gefesselt: 

„Und da gibt es noch dieses leise Band, welches die Herde zu ihrem Hirtenmenschen knüpft. 
Ganz zart und dennoch so mächtig, weil es etwas Uraltes ist. Ein trällerndes Rufen, die ersten Schafe heben ihre Köpfe, und mit einem leisen Anrucken setzt sich der Pulk in Bewegung. 
Wie von selbst. Zum Hirten hin und in den Rhythmus seiner Schritte fallend.“ 

Ein Schäfer und seine Herde. Das Bild war schon uralt, als Jesus es verwendet hat. Er will damit deutlich machen, wie sehr er, wie sehr Gott sich um seine Menschen kümmert. 

Seine Herde, das sind wir. Und wir stehen gerade irgendwie ängstlich auf der Weide. Aneinandergedrängt nur deshalb nicht, weil „Abstandsregeln“ uns das verbieten. Die Wölfin, die der Herde Angst macht heißt „Corona“. Sie löst Panik aus. Kaufverhalten ist ein Zeichen dafür. Erst Klopapier und Nudeln, dann Mehl und Hefe. Jetzt Gummiband, das man doch für die Gesichtsmasken braucht.

Seine Herde, das sind wir. Wir wollen „Herdenimmunität“ erreichen, irgendwie aus der Gefahr raus und geschützt sein, ohne allzu großen Schaden für Menschen und Wirtschaft. Ein tägliches Ringen um den richtigen Weg: Den Umgang mit der Freiheit des Einzelnen und dem Schutz für alle. Und die Verteilung der Lasten. Da tragen nämlich lange nicht immer die Lautesten die schwersten.

Gut entscheiden und leiten bei Ungewissheit, was kommt. Das ist im Augenblick die schwere Aufgabe der Politikerinnen und Politiker. Dabei zählt, was – wenn irgend möglich – nicht passieren darf. Und wie unsere Möglichkeiten dafür eingesetzt werden müssen. Und die Frage an uns ist, ob wir da mitziehen und das mittragen. 

Schafe sind übrigens alles andere als dumm. Sie folgen niemandem blind. Sie sind eher misstrauisch. Sie erkennen ihren Hirten tatsächlich an der Stimme. Sie wissen genau, wem sie folgen müssen.

Ich wäre gerne aus der Ungewissheit heraus, hätte gerne klare Sicht auf Weg und Ziel. Wie’s weitergeht und wie lange es noch dauert. Stattdessen liegt der Weg im Nebel. Kaum ein bisschen Sicht. Das ist erstmal nicht zu ändern. 
Aber wir können hören. Wenn einer unserer Sinne uns abhandenkommt, dann schärft das oft die anderen. Einer sagt: „Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die, die zu mir gehören, und sie kennen mich. Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen.“ (Johannes 10)

Mit dem Hirten, dem ich vertraue, gehe ich einen Schritt nach dem anderen. Auch in die Ungewissheit. Aber die Richtung und die Hinweise auf dem Weg sind klar genug. Seine Richtung und seine Hinweise. Auf die Armen, die Leidtragenden. Die Trauernden und Gerechtigkeit-Hungrigen. Auf die Kinder. Und was denen versprochen ist. Das reicht auch zum Kritisch-Sein. Und nicht auf irgendwen zu hören, der oder die irgendwas Verlockendes erzählt. 
Er ist der Hirte. Und wir sind seine Herde. Das genügt.

Du guter Hirte, still unseren Mangel an Liebe. 
Erquicke unsere müde Seele, die oft keine Ruhe findet. 
Leite und auf gute Wege, wenn wir die Orientierung verlieren. 
Tröste uns in dunklen Stunden, wenn wir keinen Ausweg sehen. 
Lass uns deine Freundlichkeit schmecken, wenn wir uns schutzlos und verlassen fühlen. 
Mach uns dein Haus des Lebens zur Heimat. Amen.

(Sylvia Bukowski, Du bist der Gott, den ich suche)

Über den Autor / die Autorin

Stefan Maser ist als Pfarrer für Hoerstgen, Rheurdt und Sevelen zuständig. Als Beauftragter des Kirchenkreises für Ökumene und das Gustav-Adolf-Werk guckt er gerne über den Tellerrand zu anderen Kirchen und Gemeinden, auch in ärmeren Ländern. Seitdem die Gemeinde für alle Dörfer nur noch einen Pfarrer hat, ist sein Auftrag als Krankenhausseelsorger am St. Bernhard-Hospital nach 22 Jahren entfallen. Stefan Maser lebt mit seiner großen Familie im Pfarrhaus in Hoerstgen.