(Foto: W. Lietzow)

(Foto: W. Lietzow)

Als ich vor zwei Jahren gefragt wurde, ob ich mir eine Mitarbeit im Presbyterium vorstellen könnte, war eine meiner ersten Reaktionen: “Muss ich dann auch ‚da vorne‘ in der Kirche sitzen?“ Das konnte ich mir gar nicht denken, mich von den anderen Gemeindemitgliedern abzuheben und erhöht sitzend auf diese zu schauen. Für mich bedeutete diese Sitzordnung, die ich aus meiner alten Kirchengemeinde in Düsseldorf nicht kannte, immer ein Abgrenzen vom Rest der Gemeinde. Da auch Freunde und Bekannte mich auf diese Besonderheit in der Hoerstgener Kirche ansprachen, fragte ich beim sonntäglichen Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst unseren Pfarrer Herrn Maser, wieso die Presbyter im eigentlichen „Chorgestühl“ sitzen. Er erklärte, dass der Begriff „Chorgestühl“ aus dem katholischen Sprachgebrauch stammt und es ein Anliegen der reformierten evangelischen Kirche sei, einen großen Kreis um den Abendmahltisch zu bilden. Dies soll die christliche Gemein-schaft symbolisieren. Wenn die Presbyter sich beim Gottesdienst nun auf die Plätze im Abendmahltischraum setzen, schließen sie den Kreis, und eine Gemeinschaft entsteht.
Diesen Gedanken fand ich sehr sympathisch, denn eine Gemeinde braucht viele Kreise und Gemeinschaften, um wirklich leben zu können. In einer aktiven Gemeinde gibt es für jede Altersgruppe einen Kreis, in dem die entsprechenden Interessen gemeinsam verfolgt und verwirklicht werden können. Sei es die Krabbelgruppe für die Jüngsten und deren Mütter zum Austausch von Erfahrungen, die Jungschar mit Angeboten für Jugendliche, der Kirchenchor, in dem Junge und Ältere zusammen die Freude an der Musik teilen können, der Bibelkreis, in dem auch intellektuellere Fragen behandelt werden können, oder der Seniorenkreis, bei dem man Freunde und Bekannte wieder sieht und einen vergnüglichen Nachmittag verbringen kann. Seit kurzem bietet sogar ein Generationencafé die Möglichkeit, Jung und Alt zusammen zu bringen.
Oder, oder, oder…..
Es freut mich, dass es in unserer Gemeinde so viele Kreise gibt, dass ich gar nicht alle aufzählen kann. Sehr schön wäre es natürlich, wenn sich all diese kleinen Kreise sonntags zu einem großen Kreis beim Gottesdienst treffen würden!
Beim Gottesdienstbesuch Sonntags sitze ich nun also nicht mit einem mauen Gefühl im Magen „da vorne“, sondern freue mich, Teil eines großen Kreises zu sein, der nicht von oben regiert wird, sondern durch die Gemeinschaft lebendig wird.

Elke Pfitzer

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