Als Jugendliche und junge Erwachsene war das die große Frage, die uns bewegte, die wir unseren Eltern und Großeltern stellten: Warum habt ihr damals nichts gesagt? Warum habt ihr euch nicht zur Wehr gesetzt?
Im sogenannten 3. Reich haben sie Jahre der Gewaltherrschaft erlebt. Krieg, Vernichtung und Vertreibung waren die Folge. Viele von ihnen haben den Versprechen der Nationalsozialisten geglaubt, waren auf ihre Propaganda und ihre Lügen hereingefallen. Die Mehrheit hatte vor dem Elend von Menschen die Augen verschlossen und dem Unrecht seinen Lauf gelassen. Sie hatten dem bösen Treiben nicht entgegen gesetzt. Sie haben geschwiegen wie Pfarrer Martin Niemöller (1892-1984), der Marineoffizier im Kaiserreich und spätere Widerstandskämpfer es in seinem Gedicht so ausdrückt:

Als die Nazis die Kommunisten holten,
da habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozis hinter Gitter brachten,
da habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschaftler festgenom-
men hatten,da habe ich nicht protestiert;
Ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als die Nazis kamen mich zu holen,
da protestierte niemand;
da war ja kein Mensch mehr da.

Zum Glück sind heute Menschen da. Menschen wie Du und ich. Menschen, die aufstehen und Gesicht zeigen. Die sich solidarisieren, wenn Lüge und Unwahrheit sich breitmachen und das Leben Einzelner in unserer Stadt, unserem Land vergiften. Die demonstrieren, wenn der Bürgermeister unseres Ortes beschimpft und bedroht wird. Menschen, die sich nicht verführen lassen vom rechten Gerede und von heimtückischen Anschlägen.
Die den Mut aufbringen und Gesicht zeigen. Ich bin dankbar für Jede und Jeden, die bzw. der die Würde eines jeden Menschen für unantastbar hält und sich dafür einsetzt!


Helga Klaus, Pastorin i.R.