Gastfrei zu sein vergesst nicht;
denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Hebräerbrief 13, 2 – Monatsspruch für den Juni 2018

 

Die Erinnerung war dringend nötig. Gastfreiheit war in der alten Zeit ein hoher Wert. Wer reiste und dabei in die Fremde kam, war darauf angewiesen, dass er bei Anderen aufgenommen wurde. Nicht überall gab es Herbergen. Nicht jeder konnte sie bezahlen. Aber die Gastfreiheit war in Gefahr, sogar bei den Christen. In ihrer Minderheitssituation empfanden sie den Unterschied zwischen sich und „den Anderen“ sehr deutlich. „Was haben wir mit den ganzen Fremden zu tun? Wir haben selbst genug Probleme und Gefahren auszuhalten.“ Vergebliches Anklopfen und verschlossene Türen gerade bei Christen? Das durfte nicht sein!

Der Schreiber des Hebräerbriefs (oder war es doch eine Schreiberin?) ermahnt mit Charme und Humor. Denkt an Abraham! Denkt an seinen Neffen Lot! Sie nahmen in ihr Zelt und Haus Gäste auf, die sich als Gottesboten entpuppten. Ohne ihre Gastfreiheit hätten Abraham und Sara nicht Gottes Versprechen gehört (1. Mose 18). Und Lot und seine Familie hätten die rettende Warnung nicht bekommen (1. Mose 19). Gott hat Boten (denn das bedeutet das Wort „Engel“). An Flügeln und weißen Gewändern sind sie nicht zu erkennen. Wie soll ihre Botschaft ankommen, wenn sie nicht hereingelassen, sondern nur auf Abstand gehalten werden?

Unter uns gibt es Menschen, die Nachrichten von himmelschreiender Ungerechtigkeit, Gewalt und Not mitbringen. Andere können uns handfeste Gründe sagen, warum wir unsere Denk- und Lebensweise ändern müssen. Und einige kommen mit ebenso handfesten Beispielen von Gottes Hilfe. Wenn sie nur aufgenommen und gehört werden.

Auch darum: Seid offen für Gäste! In meinem Elternhaus und im Hoerstgener Pfarrhaus gab es eine Reihe Besucher, die eine Botschaft dagelassen haben, die wir nicht vergessen werden. Und wir werden weiter gefragt werden, ob wir Gäste aufnehmen, mal im Gemeindehaus, mal im eigenen Haus. In meinem Arbeitszimmer gibt es übrigens Dauergäste: die Kinder aus aller Welt auf den großen Farbfotos des Kindernothilfe-Kalenders. Sie erzählen mir von großer Ungerechtigkeit in ihrer Umgebung. Und von Hilfe und Chancen, weil Menschen offen sind für die Lebenslage anderer, über Entfernungen und Grenzen hinweg. Übrigens gucken diese Kinder mich aus den Bildern fast alle fröhlich und mutig an. Ich habe da wahrscheinlich einige Engel im Zimmer. Mit den übrigen Mitarbeitenden der Gemeinde grüßt herzlich

Ihr und euer Stefan Maser, Pfarrer in Hoerstgen