Advent heißt Ankunft

So wiederholen wir es uns Jahr für Jahr. „Freuen Sie sich doch. Gott kommt zu uns Menschen“, sagt der Pastor aufmunternd beim Seniorenbesuch, aber die Besuchte seufzt tief: „Ja, und mein Sohn kommt wieder nicht!“ Grund genug zum Nachdenken. Was erwarte ich im Advent? Etwas Neues, Anderes? Oder genügen die alten Bräuche und Gewohnheiten, adventliches und weihnachtliches Beisammensein im Kerzenschein?
Und wenn das auch bedrückend geworden ist, weil – zum Beispiel – der Sohn nicht kommt?

Die Worte vom Besuch und vom Licht gehören zu einem Lobgesang auf der Grenze vom sogenannten Alten zum Neuen Testament. Lukas 1: Jesus ist noch nicht geboren. Zacharias, Priester in Jerusalem, bricht mit diesem Lied sein monatelanges Schweigen, als ihm und seiner Frau Elisabeth spät und unerwartet der kleine Johannes, später bekannt als „Johannes der Täufer“, geboren ist. Da war was angekommen von „herzlicher Barmherzigkeit Gottes“. Seine Menschen liegen ihm am Herzen, und es lässt ihn nicht kalt, was sie bewegt und worunter sie leiden.

Und Zacharias ist sich sicher: Gottes Kommen, sein Erscheinen im Leben der Welt, ist mindestens wie ein Sonnenaufgang. Und es ändert auch etwas. Er tröstet die, die „in Finsternis und Schatten des Todes“ sitzen und führt sie neue Wege durch ihr Leben. Schalom-Wege, Friedenswege. Die meisten werden wohl zu einem anderen Menschen führen, zu einem anderen Reden, einer anderen Sichtweise. In ihnen steckt etwas von dem Geheimnis, dass jeder und jede genug hat und leben kann. Denn das bedeutet „Frieden“ in der Bibel. Es gibt noch einiges zu tun und zu erleben für Menschen, die gerade noch traurig dasaßen.

Wir wollen in den nächsten Wochen wieder zusammen Advent und Weihnachten feiern. Eine ganze Reihe Einladungen stehen in diesem Heft. Zu Adventsfeiern, Gottesdiensten und Konzerten. Viele Ideen und liebevolle Vorbereitung stecken dahinter. Darf ich Ihnen und uns allen wünschen, dass bei alledem etwas „ankommt“? Auch von Gottes herzlicher Barmherzigkeit und seinen Wegen des Friedens und der Gerechtigkeit!

Mit den anderen Mitarbeitenden der Gemeinde grüßt herzlich Ihr und euer Pfarrer Stefan Maser

Über den Autor / die Autorin

Stefan Maser

Stefan Maser ist Pfarrer in Hoerstgen und zugleich evangelischer Krankenhausseelsorger am St. Bernhard-Hospital. Außer der Arbeit in der Gemeinde füllen die Verbindung zum Sozialzentrum "Dios es Amor (Gott ist Liebe)" in einem Armenviertel von Lima/ Peru und eine große Familie sein Leben aus. Zusätzlich zu seinem Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen übernimmt er gemeinsam mit Pfarrer Kunellis noch Aufgaben in der Evangelischen Kirchengemeinde Neukirchen.