Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren, und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.

(3. Mose 19,32 – Monatsspruch für März 2017)

Das ist ein Monatsspruch mit klaren Anweisungen an mich und dich: Du sollst vor einem grauen Haupt aufstehen. Du sollst die Alten ehren. Du sollst dich vor Gott fürchten. Das sind zugleich zwei Themen in einem Satz: die Alten ehren und Gott fürchten. Für den biblischen Autor gehören diese beiden Themen zusammen.

Sie sind nicht zu trennen. Keiner kann sagen: Ich ehre Gott und gleichzeitig die alten Menschen, für die er Verantwortung trägt, vernachlässigen. Eine klare Ansage! Zu biblischen Zeiten so auch nötig! Im Leben der umherziehenden Hirtenstämme gab es die Praxis, alte Menschen, die nicht mehr mitlaufen konnten, wenn man den Weideplatz wechselte, mit einem Laib Brot und einer Kanne Wasser am Wegrand sitzen zu lassen und sie ihrem Schicksal zu überlassen. Dieser Sachverhalt erschließt sich der wissenschaftlichen Rückschau.

So etwas kam vor. Und es wundert nicht, dass die biblische Botschaft, die Gottes Güte, aber auch sein Gericht zum Thema macht, so etwas nicht gutheißt. Den bekanntesten Widerspruch finden wir in den 10 Geboten, in denen es im 5. Gebot und zwar mit Blick auf die alt gewordenen Eltern, mit Blick auf die Großeltern heißt: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“

Das zentrale Thema unseres Monatsspruches ist meiner Meinung nach die Mahnung, dankbar zu sein. Die Jüngeren dürfen dankbar anerkennen, was die, die ihnen an Lebensjahren eine oder gar zwei Generationen voraus sind, in und für ihre Zeit geleistet haben, wie sie den Weg geebnet haben, auf dem die Nachfolgenden jetzt sicher gehen können. Aber auch die alten Menschen dürfen dankbar zurückblicken, dankbar für die Jahrzehnte sein, die Gott ihnen in seiner Güte bereits geschenkt hat.

„Altwerden ist ein Geschenk, das vielen widerfährt. Aber es ist ein großes Geschenk, dabei dankbar zu bleiben“, hält der evangelische Theologe Heinrich Giesen fest. Für mich drücken sich diese eben beschriebenen Formen der Dankbarkeit am besten im gegenseitigen Respekt der Menschen der verschiedenen Generationen untereinander aus. Gut und gerecht ist, was die menschliche Gemeinschaft stärkt. So geben wir Gott die Ehre.

Pfarrer Jürgen Kunellis

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