„Advent ist im Dezember!“ „Du kommst zu früh, Schokoladennikolaus!“ Mit diesen Slogans hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in den vergangenen Jahren gegen eine gar zu süße Vorweihnachtszeit protestiert, die mit Weihnachtsdekorationen, Geschenke-Umsatz, Weihnachtsmärkten, Schokoladenartikeln und Weihnachtsliedern in Dauerschleife manchmal schon mit dem Herbst beginnt.

„Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten. Aber denken Sie daran: Wir leben auch zu Weihnachten im Advent. Advent ist immer!“ So verabschiedete der Philosophieprofessor Ernst Bloch (1885-1977), Jude, kreativer Marxist und Lehrer vieler Theologen, seine Studierenden an der Universität Tübingen in die Weihnachtsferien. Er meinte einen anderen Advent, der nicht mit dem Weihnachtsfest endet. Er meinte die Spannung, das sehnsüchtige Ausblicken nach vorne, in das die Ansage der Gerechtigkeit und der Hilfe versetzt.

Gerechtigkeit und Hilfe sind noch nicht überall Wirklichkeit, wirklich nicht. Aber „noch nicht“ ist nicht nichts, es ist der Anfang von etwas Neuem. Die, die Advent und Weihnachten feiern, die Ankunft des Königs, blicken aus. Sie hoffen, suchen und sehen die Anfänge und Zeichen. Sie tun, was zu ihrer Erwartung passt, etwas Gerechtes, ein Stück Hilfe, und bereiten so den Weg.

Adventsmenschen gesucht! Damit sind nicht nur Menschen gemeint, die noch schöner basteln und dekorieren, leckerer genießen oder die Geschenke für alle Lieben noch früher zusammen haben. Das mag tun, wer will und kann. Sondern es kommt auf die an, die eine Hoffnung haben. Und die das tun, was zu ihrer Hoffnung passt. Gerechtigkeit und Hilfe zum Beispiel. Die Gelegenheiten dazu sind nicht schwer zu finden. Und das nicht nur zur (Vor-)Weihnachtszeit. Denn Advent ist, so gesehen, immer!

Mit den übrigen Mitarbeitenden unserer Gemeinde grüßt Ihr und euer

Pastor Stefan Maser

Siehe, dein König kommt zu dir,  ein Gerechter und ein Helfer! (Sacharja 9, 9 – Wochenspruch des 1. Advent)

Über den Autor / die Autorin

Stefan Maser

Stefan Maser ist als Pfarrer für Hoerstgen, Rheurdt und Sevelen zuständig. Als Beauftragter des Kirchenkreises für Ökumene und das Gustav-Adolf-Werk guckt er gerne über den Tellerrand zu anderen Kirchen und Gemeinden, auch in ärmeren Ländern. Seitdem die Gemeinde für alle Dörfer nur noch einen Pfarrer hat, ist sein Auftrag als Krankenhausseelsorger am St. Bernhard-Hospital nach 22 Jahren entfallen. Stefan Maser lebt mit seiner großen Familie im Pfarrhaus in Hoerstgen.

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