Am Berg Sinai hatte das Volk Israel sich einen eigenen, sichtbaren und bequemen (weil stummen) Gott gemacht. Mose stieg wieder auf den Berg Sinai. 40 lange Tage und 40 noch längere Nächte. Sie werden so lang, weil es keine Gespräche mehr gibt. Was denkt der Andere, was denkt mein Nächster von mir? Bekomme ich noch einmal die Gelegenheit, wieder gut zu machen, was ich falsch gemacht habe? Wird der Andere mir meine Fehler verzeihen? Wird es wieder eine belastbare Gemeinschaft geben ohne gegenseitige Schuldvorwürfe?

„Als nun Mose vom Berg Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichtes glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.“

Gott will die Gemeinschaft mit den Menschen. Er erneuert seinen Bundesschluss mit den Menschen und redet weiter mit seinen Kindern. Was muss den Israeliten wohl durch den Kopf gegangen sein, als sie Mose wieder gesehen haben? Dass ihr Verhalten nicht korrekt war, musste ihnen keiner mehr sagen. In dem Glanz auf Moses Angesicht erkannten sie sofort die Heiligkeit und die Gegenwart Gottes. Doch was das Volk da noch nicht weiß ist, dass der Glanz auf Mose Angesicht ein Glanz der Gnade Gottes ist. Gott hatte ihnen längst vergeben. Gott will die Beziehung zu den Menschen.

„Da rief sie Mose und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berg Sinai.“

Der Kontakt mit Gott ist nicht abgerissen. Und es wird wieder miteinander geredet. Durch Gottes Vergebung öffnen sich neue Wege. Oft sind auch wir wankelmütig. Wie den Israeliten die Zeit auf Mose Rückkehr zu lang wurde, statt auf Gottes Weisung zu hören, so entscheiden auch wir uns lieber für eigene Wege, wenn wir auf Gottes Antwort warten müssen. Wir treffen kurzfristige Entscheidungen, die uns erst einmal einen eigenen Vorteil zu bringen scheinen, anstatt gehorsam auf Gottes Wort zu hören. Wie das Volk Israel sind wir darauf gegründet, dass Gott weiterhin an seinen Menschen handelt.

VertrautdenneuenWegen

Holger Koopmann

(Aus der Predigt über 2. Mose 34, 29-35 zu seiner Ordination am 25.1.2015. Als Prädikant ist Holger Koopmann zusätzlich zu seiner Berufsarbeit als Diakon im Neukirchener Erziehungsverein mit Predigt, Taufe und der Leitung von Abendmahlsfeiern beauftragt. )

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