Manchmal fehlen einem auch die Worte. So ging es mir kurz vor Weihnachten, als ich ein Schreiben lesen musste, mit dem Thomas Hirth seinen sofortigen Rücktritt als Presbyter und damit auch als Kirchmeister unserer Kirchengemeinde erklärte.

Herr Hirth war seit den Wahlen 1996 Presbyter unserer Gemeinde für den 1. Pfarrbezirk und wurde vier Jahre später, 2000 zum Kirchmeister gewählt. Dieses Amt hatte er seither inne. Seit einigen Jahren, mit der Einführung der kaufmännischen Buchführung, bei uns NKF, Neues Kirchliches Finanzwesen genannt, unterstützte ihn Rudolf Pappenheim als Finanzkirchmeister. Dieses Amt ging nach dem Ausscheiden von Herrn Pappenheim aus dem Presbyterium an Elke Pfitzer über. Mit drei Gemeindezentren in einer Kirchengemeinde gibt es für einen Kirchmeister immer viel zu tun. Und Herr Hirth wollte seine Arbeit so organisieren, dass nirgendwo ein Reparaturstau entstehen konnte, der zusätzlich die Kosten treibt.

Viel Engagement

Thomas Hirth mit dem alten Kirchturmengel aus HoerstgenIn Rheurdt bekam der Jugendpavillon in seiner Zeit einen neuen Fußboden und eine neue Küche. Das Kletterwäldchen entstand. Im Gottesdienstraum wurden die Heizkörper von der Wand abgesetzt, das Dach isoliert. Die Küsterwohnung erhielt neue Fenster. In Sevelen wurde das Pfarrhaus komplett neu verfugt. Zur Wetterseite hin kamen neue Fenster. Die Holzteile des Gemeindehauses, die großen Fenster und die Dachverschalung waren regelmäßig zu streichen. Am meisten gab es für unseren Kirchmeister Hirth in Hoerstgen zu tun. Nachdem ein Teil eines Sturzes im Eingangsbereich der Kirche im Winter auf den Bürgersteig gekracht war, stand die Sanierung des gesamten Außenbereiches des Turmes an. Eine besondere Herausforderung bei einem denkmalgeschützten Gebäude! Die Innenrenovierung der Kirche schloss sich an. Zu all dem waren in erheblichen Umfang Spendenmittel notwendig, die im geplanten Umfang aufgebracht werden konnten. Auch da war unser Kirchmeister sehr rührig. Auch am Hoerstgener Pfarrhaus wurden Arbeiten ausgeführt. Das Dach des Anbaus erhielt eine Solaranlage. Auf einer Giebelseite wurde ein Fenster erneuert und Parterre ein neuer Ausgang geschaffen, an einer Stelle, wo bisher ein Fenster gewesen war, eine neue Türe eingebaut.

Große Herausforderungen

Das nächste Großprojekt war der Umbau des einhundert Jahre alten Gemeindehauses, eines Hallenbaus. Am 11. Januar konnte das neue Gemeindehaus in Dienst gestellt werden. Die untere Etage ist nun komplett fertig gestellt. Der Weg dahin war steinig und von vielen Fragen begleitet. Sollte man in Zeiten sinkender Gemeindegliederzahlen und Kirchensteuermittel überhaupt noch einmal so viel Geld in die Hand nehmen, um neben dem historischen Kirchengebäude jetzt auch das Gemeindehaus zu renovieren? Ein Projekt wurde vorgeschaltet. Es hieß „Gut älter werden in Hoerstgen“. Ein Ergebnis dieses Projektes war die Erkenntnis: Das Gemeindehaus wird als Versammlungsort für Gemeinde- und Dorfleben in Hoerstgen gebraucht. Wie ist das mit den Parkplätzen? Im Ort herrscht chronischer Parkplatzmangel. Auch da konnte Thomas Hirth Lösungen vorstellen, die zumindest ein wenig Abhilfe schaffen sollen.

Zeit und Fachwissen

Thomas Hirth brachte von seiner beruflichen Qualifikation als Ingenieur und dadurch, dass er schon im Ruhestand war, viel Zeit und Fachwissen in seine ehrenamtliche Tätigkeit mit ein. Zugleich war ihm das Zusammenwachsen der drei Pfarrbezirke unserer Gemeinde ein großes Anliegen, ein Feld, auf dem er viel bewirken konnte. Auch neue Projekte der Gemeindearbeit hat er entwickelt oder mit anderen zusammen angeschoben, zu nennen wäre da etwa das Projekt „Gala & Diner“. Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen ihm und seiner Familie, für die er nun wieder mehr Zeit hat als bisher, Gottes Segen.

Das Presbyterium hat im Zusammenhang mit dem Ausscheiden von Thomas Hirth aus der aktiven Arbeit in der Leitung der Gemeinde und dem Kirchmeisteramt am 15. Dezember 2014 eine Erklärung verfasst, die seit dem 28. Dezember in den drei Predigtstellen der Gemeinde ausliegt. Darin heißt es am Ende:

„Das Presbyterium stellt fest, dass Herr Hirth seinen Aufgaben als Kirchmeister immer verantwortungsvoll und korrekt nachgekommen ist.“

Darüber hinaus ist noch einmal sein Ideenreichtum und sein großes Engagement zu unterstreichen.

Über den Autor / die Autorin

Jürgen Kunellis

Pfarrer Jürgen Kunellis ist Pfarrer in den Gemeindeteilen Sevelen und Rheurdt. Neben der Arbeit in der Kirchengemeinde engagiert er sich auf Ebene des Kirchenkreis Moers in der Partnerschaftsarbeit mit der United Church of Christ (UCC) in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Wisconsin und in der Öffentlichkeitsarbeit. Der aus Rheinland-Pfalz stammende Theologe ist verheiratet und hat drei erwachsene, bereits verheiratete Kinder. Zusätzlich zu seinem Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen übernimmt er gemeinsam mit Pfarrer Maser noch Aufgaben in der Evangelischen Kirchengemeinde Neukirchen.

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