Dieser Glaubenssatz ist weit verbreitet. Biblisch begründet ist er nicht. Unsere Einstellung als Kirche Jesu Christi teilt er schon gar nicht. Um die Frage der Weltherrschaft aufzunehmen könnte man im Sinne des christlichen Glaubens eher festhalten:

„Die Herren der Welt kommen und gehen. Unser Herr kommt!“

Ohne Geld geht es aber auch nicht. Denn es regelt den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Die beiden großen Kirchen in unserem Land hatten im vergangenen Jahr einen großen finanziellen Ausfall zu verarbeiten, der sich auf eine sehr hohe Zahl von Kirchenaustritten im Jahr 2014 zurückführen lässt.

Der Grund dafür war dieses Mal ganz eindeutig ein Brief, den alle Bankkunden von ihrem Institut erhielten und der sie mit der Frage konfrontierte, ob sie den Anteil der Kirchensteuer von der Abgeltungssteuer automatisch abführen lassen wollen. Viele Menschen mutmaßten hinter diesen Brief die Einführung einer neuen und zusätzlichen Art von Kirchensteuer.

Das stimmt nicht. Weder die Bemessungsgrundlage noch der Steuersatz ändern sich. Wer über dem Freibetrag lag, zahlte schon seit mehreren Jahren mit der Einkommenssteuer auch den Solidaritätszuschlag und einen Anteil Kirchensteuer.

Geändert hat sich nur das Einzugsverfahren. Das ist mit dem Angebot Ihrer Bank, das Sie gelesen haben, einfacher geworden. Natürlich haben viele Leute nicht gewusst, dass zur Steuer auf Zinserträge auch ein Anteil Solidaritätszuschlag und ein Anteil Kirchensteuer gehört.

Aber bitte: Wie viel Geld müssen Sie auf der Bank liegen oder in Aktien angelegt haben, damit der Anteil Kirchensteuer in irgendeiner Weise ins Gewicht fällt. Meine Frau und ich dürfen, zusammen veranlagt, 1600,- Euro Zinsen im Jahr bekommen, bevor der erste Euro Abgeltungssteuer fällig wird.

Überlegen Sie einmal, wieviel Geld wir beide da bei den heutigen Zinssätzen auf der Bank haben müssten, um nur einen Euro Kirchensteuer auf diese Weise zu bezahlen.

Mein Rat: Bleiben Sie Ihrer Kirche treu. Auch wenn Sie selbst im Moment wenig Leistungen der Kirche in Anspruch nehmen sollten, ihr Geld hilft anderen doch sehr.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat zu diesem Thema ein Faltblatt erstellt, das in unseren Gemeindehäusern und Kirchen ausliegt. Weitere Fragen werden beim Kirchensteuertelefon unter der Nummer 0800 0001034 beantwortet.

Über den Autor / die Autorin

Jürgen Kunellis

Pfarrer Jürgen Kunellis ist Pfarrer in den Gemeindeteilen Sevelen und Rheurdt. Neben der Arbeit in der Kirchengemeinde engagiert er sich auf Ebene des Kirchenkreis Moers in der Partnerschaftsarbeit mit der United Church of Christ (UCC) in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Wisconsin und in der Öffentlichkeitsarbeit. Der aus Rheinland-Pfalz stammende Theologe ist verheiratet und hat drei erwachsene, bereits verheiratete Kinder. Zusätzlich zu seinem Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen übernimmt er gemeinsam mit Pfarrer Maser noch Aufgaben in der Evangelischen Kirchengemeinde Neukirchen.

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