Pfarrer Stefan Maser (Foto: Wolfgang Lietzow)

„Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ Matthäus 6, 21
Unter diesem Motto fand Anfang Juni in Dresden der Kirchentag statt. Merkwürdig, war das nicht irgendwie anders herum, dass wir unser Herz an irgendetwas hängen? Bei den Philosophen und bei Martin Luther schon. Aber Jesus, Prophet und Weisheitslehrer, greift in seiner Bergpredigt anders zu, in die Welt und die Alltagserfahrungen hinein. „Komm, du weißt es auch: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ „Klar“, sagen alle Verliebten, „so ist das doch!“
In der Garage beim Rost und beim Wertverlust oder auf der Bank bei der Zinsentwicklung und dem sich langsam auflösenden Aktienpaket soll mein Herz wohl kaum hängen. Willst du hier gebannt und gefesselt sein?
Dann doch lieber eine Einzahlung auf die himmlische Sparkasse, mit Spenden, Gaben und Stiftungen in der Hoffnung auf Gottes Lohn, den er mir doch sicher nicht verweigern wird? „Interessant“, mag mancher denken. „Wie viel müsste ich denn da so etwa anlegen?“ Von wegen! Das könnte uns so passen. Aber das hat Jesus bestimmt nicht gemeint. Im Himmel ist kein Kontobuch mit unseren guten Werken. (Was sollte da schon Großes drinstehen, wo die Engel nicht drüber lachen müssten?)
Im Himmel ist Gottes Reich. Da ist seine Gerechtigkeit und seine Liebe und nicht das, was wir gemacht und geschafft haben. Aber Gottes Reich hat Spuren, Ableger und Außenstellen auf der Erde. Es gibt Einiges, was Gott am Herzen liegt und wirklich lohnend ist, schon hier und jetzt. Es gibt sozusagen göttliche Goldstreifen und Lichtspuren im Irdischen, Wege der Gerechtigkeit, der Hilfe, der Erleichterung. Es kommt nur darauf an, sie zu sehen und zu erkennen.
„Verglichen mit den Christen zur Zeit des Matthäus und vielen Menschen in anderen Teilen der Welt heute sind wir alle Reiche“, sagte Joachim Gauck auf dem Kirchentag in seiner Bibelarbeit über diesen Abschnitt der Bergpredigt. „Aber auch wenn wir von unserem Geld nicht lassen können: Wir dürfen Gott bitten, dass wir ihm wenigstens nicht dienen müssen.“  „Da wird auch dein Herz sein“ hieß es zum Kirchentag in Dresden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kirchentags waren wieder mit Begeisterung dabei. Und sie konnten einige von Gottes Schätzen entdecken. Vor allem andere Menschen und das, was ihnen am Herzen liegt. Die Jugendlichen unserer Gemeinde, ihr Einsatz für ihr „Generationencafé“ und die Partnerschaft mit den Menschen in einem Armenviertel von Lima, Peru, sind auch solch ein Schatz. Kirchentag bedeutet immer die Begegnung mit neuen Dingen, die mich bewegen, begeistern, empören und vor allem verändern können. Da ist dann auch der richtige Platz für mein Herz!
Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell herein,
dass uns werde klein das Kleine
und das Große groß erscheine!

Stefan Maser

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