Jürgen Kunellis in Aktion: Hier beim Aufräumen in Hoerstgen

Am 1. Januar 1986 kam Jürgen Kunellis in die Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen. Im April 1986 wurde er durch den damaligen Superintendenten des Kirchenkreises Moers, Kurt Bergerhof, in die Pfarrstelle für Rheurdt und Sevelen eingeführt. Sein Kollege im ersten Bezirk nahm das 25jährige Ortsjubiläum zum Anlass, ihm einige Fragen zu stellen.

Lieber Jürgen, du kannst dich sicher noch erinnern, wie du zum ersten Mal von der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen und ihrer freien Pfarrstelle gehört hast  . . .

Ich habe von der Stelle im Sommer 1985 gehört. Ich wollte, nachdem sich die Möglichkeit, in Mülheim zu bleiben, nicht ergab, zurück in den Kirchenkreis Moers, wo ich in Asberg, bei Pfarrer Erwin Kühnen mein Vikariat gemacht hatte. Zwei Gemeinden suchten einen neuen Pfarrer, Hoerstgen und Homberg. Ich hatte noch den großen Vorteil, mich selbst entscheiden zu können. Ich wählte Hoerstgen.

Die Gemeinde und ihr zweiter Pfarrbezirk – wie sah das vor 25 Jahren aus?

Baulich war Vieles im zweiten Pfarrbezirk nicht so gut wie heute. In Rheurdt hatte sich der Fußboden im Gottesdienstraum gehoben und war halb rund. In Sevelen stand ein altes, sehr kleines Gemeindehaus. Die Toiletten waren in einem Anbau, ebenso die Küche.
Das Gemeindeleben war lebendig. Der Kirchenchor hatte viele aktive Mitglieder. Es gab in Sevelen einen ansehnlichen Bibelkreis. Und es lebten noch eine ganze Menge Leute, die  als Flüchtlinge aus dem Osten an den Niederrhein gekommen waren, sehr kirchenverbundene Leute und treue Gottesdienst-besucherinnen und –besucher!
Bis auf den Bibelkreis und den Bastelkreis Rheurdt gibt es alle Gemeindegruppen noch, die ich damals angetroffen habe. Die Büchereiarbeit, verbunden mit Frauenfrühstücken, ist neu dazugekommen. Wir beherbergen in unseren Räumlichkeiten viele Gruppen, die gerne Musik machen. Die Männer-arbeit ist neu entstanden. Wir bieten heute Passions-andachten an. Die ökumenische Zusammenarbeit – vor allem mit Rheurdt – ist, glaube ich, in vielem sogar beispielhaft. Es gibt „Gala & Diner“ und die Zusammenarbeit mit dem Kulturring Rheurdt. Wir haben ganz neu die KonfiKids. Und vor allem haben wir eine Jugendarbeit, die für jedes Alter etwas bietet, verbunden mit Projekten und Freizeiten. Als ich 1986 in Rheurdt und Sevelen anfing, lag die Jugendarbeit völlig am Boden. Es gab nicht eine einzige Gruppe, die sich wirklich traf.
Ausdrücklich erwähnen will ich die Jahre 2001/02, in denen Virginia Pych hier war. Das war für die ganze Gemeinde eine besondere Sache! Vor und nach uns ist es im Rheinland niemandem mehr gelungen, einen amerikanischen Pastor, eine amerikanische Pastorin in eine Gemeinde zu holen,  der oder die so viel Impulse geben konnte und vor allem so gut Deutsch sprach wie Virginia. Schade, dass der Kontakt zu ihr nach ihrer Rückkehr in die Staaten so schnell abgebrochen ist!

Wenn du damals mit heute vergleichst, was hat sich geändert?

Jürgen Kunellis in Aktion: 1991 bei der Grundsteinlegung zum Gemeindehaus Sevelen (Archivbild)

1992 konnten wir in Sevelen ein neues Gemeindehaus einweihen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich glaube bis heute, dass wir ein Haus gebaut haben, das den sich wandelnden Ansprüchen sehr gut gerecht wird.
Das Geld ist ein bestimmendes Thema geworden. Wie viel Geld haben wir? Wie geht es mit der Entwicklung der Finanzen weiter? Wie erschließen wir neue Finanzquellen? Ich hätte nie gedacht, dass sich der Personalabbau in der Rheinischen Kirche so rasant vollzieht, wie wir das in den letzten 15 Jahren in allen Bereichen auf Grund des Einbruchs auf der Einnahmeseite bei den Finanzen erlebt haben.
Menschen, denen die Bindung zu ihrer Kirchengemeinde eine Herzenssache ist und die täglich neu aus ihrem Glauben heraus leben, gibt es auch ohne die oben erwähnten Flüchtlinge nach wie vor viele. Das macht mich froh und es beschämt einen auch immer wieder, wenn man als hauptberuflich Arbeitender sieht, was für ein tolles Engagement viele Ehrenamtliche an den Tag legen und das oft kontinuierlich über viele Jahre hinweg.

Dass du gerne Pfarrer in dieser Gemeinde bist, merkt man dir an. Was würdest du unserer Gemeinde für die nächsten Jahre wünschen?

Eine solide finanzielle Basis, damit wir uns weiterhin die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten können, die wir haben und alle Gebäude erhalten können. An Menschen, die sich gerne engagieren und ihre Gemeinde lieben, wird es nie fehlen. Da mache ich mir keine Sorgen. Ich würde mir auch wünschen, dass wir in zehn Jahren im zweiten Pfarrbezirk noch einen eigenen Kirchenchor haben!

Pfarrer Jürgen Kunellis hält die Predigt im Zentralgottesdienst der Gemeinde am Ostermontag, 10.30 Uhr, in der evangelischen Kirche Rheurdt, Kirchstraße 44. Anschließend bittet das Presbyterium Gemeinde und Gäste zu einem kleinen Empfang im Rheurdter Gemeindezentrum.

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