Gott spricht: Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz aus Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz aus Fleisch.

(Monatsspruch für Oktober 2009, der beim Propheten Hesekiel 11,19 nachzulesen ist)

Jürgen Kunellis (Bild: Wolfgang Lietzow)

Pfarrer Jürgen Kunellis (Foto: W. Lietzow)

Sein Herz soll man pflegen. Ich zitiere deshalb eine asiatische Weisheit, der ich folgenden Gedanken entnommen habe: Man solle morgens, mit dem Aufwachen und vor dem Aufstehen, sich die Zeit nehmen, seinem Herzen zunächst ein inneres Lächeln zu schenken und es in Gedanken zu streicheln. Das hört sich gut an, finde ich. Wenn einem dieses gelingt, beginnt der Tag mit einer freundlichen Note.
Wie oft beginnen Tage anders, als eben beschrieben! Als erstes, wenn man die Augen aufschlägt, melden sich Sorgen, die einen drücken, oder der erste Fuß ist noch nicht im Pantoffel, und indem man sich im Bett aufrichtet, werden bereits die Aufgaben des anbrechenden Tages im Hinterkopf sortiert. Schon sind die ersten drei Dinge vorgenommen, die sofort nach dem Frühstück erledigt werden sollen.
Jeder von uns kennt Tage, die stehen wie eine Wand vor einem, da packt einen mit dem Erwachen die bange Frage: Wie soll ich durch diesen Tag kommen? Meist geht es dann doch irgendwie. Man schafft mehr, als man befürchtet hat, erhält überraschend Hilfe. Manches löst sich sogar von alleine. Es gibt aber Leute, da löst sich nichts von alleine, aus unterschiedlichen Gründen nicht, da erscheint jeder Tag wie eine unüberwindliche Mauer.
Ich habe unlängst in der Zeitung ein für mich neues Wort gelesen: „Modernisierungsverlierer“. Gemeint waren diejenigen, die mit dem Tempo in unserer Gesellschaft nicht mit kommen, zu wenig qualifiziert sind für die Anforderungen unseres Arbeitsmarktes, nicht beweglich genug, zu langsam, zu alt usw. Diejenigen, die keine Modernisierungsverlierer sind, haben Sorge, sie könnten bald dazu gehören, strengen sich gehörig an und laufen so schnell, wie sie eben können. Lebendig sein, heißt in Bewegung sein, offen für neue Herausforderungen, sich Ziele setzen, etwas gestalten wollen. Aber das eigene Herz darf man dabei nicht vergessen. Es muss bei all dem mit kommen können. Es darf nicht, wie es das Bibelwort im Bild formuliert, zu Stein werden, dass man sich selbst und die Menschen, mit denen man sein Leben teilt, missachtet. Der Monatsspruch macht uns Hoffnung. Er spricht vom Handeln Gottes. Gott selbst schenkt ein anderes Herz und einen neuen Geist, immer wieder tut er das. Wir dürfen ihm dafür danken und ihn immer neu um ein gutes Herz bitten. Wir dürfen auch achtsam mit uns selbst und unserem eigenen Herzen umgehen.
Das macht auch achtsam für andere.
Herzlich grüßt Ihr und euer Pastor

Jürgen Kunellis

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